Bosnien – Bitterer Honig
Bosnien – Bitterer Honig
Während die Herzegowina so etwas wie den verkarsteten, mediterranen Kräutergarten des Landes darstellt, ist das Landschaftsbild des nordwestlichen Bosniens völlig anders: Die Vegetation ist mitteleuropäisch. Und noch etwas unterscheidet die Honigreise nach Bosnien von der in den südlichen Landesteil. Diesmal begleitet mich ein orts- und sprachkundiger Reiseleiter.
Mirsat Karolic ist gebürtiger Bosnier und lebt seit 30 Jahren in Österreich. Er arbeitet als Polier für eine große Baufirma und hat mich eingeladen, ihn auf einer Imkerreise in sein Heimatland zu begleiten. Er möchte mir einen befreundeten Imker vorstellen und dabei Übersetzer sein. Er selbst betreut als Hobbyimker einige Bienenstöcke im Weinviertel. Mirsat ist, mit seinen 56 Jahren, eine stattliche Erscheinung. Er erwartet mich am vereinbarten Treffpunkt in seinem gepflegten schwarzen Mercedes. Das Auto hat er vor 12 Jahren selbst aus Deutschland importiert, wie er erzählt. Unser Ziel ist der Ort Bužim in der Bosanksa Krajina, dem nordwestlichsten Teil Bosniens, unweit der Grenze zu Kroatien. Die hügelige und bewaldete Region ist bekannt für ihre ausgedehnten Kastanienwälder, in denen die Bienen hocharomatischen Edel-kastanienhonig erzeugen.
Bald nach Zagreb rollen die Touristenkolonnen Richtung Adria und es wird einsam auf der Autobahn nach Belgrad. Mirsat möchte Bosnien über eine Abkürzung erreichen und verlässt sich dabei auf das Navi. Nach geschätzten 100 Kilometern über kurvenreiche, kleine Straßen und zuletzt über eine staubige Schotterpiste mit großen Schlaglöchern kreuzen nur noch Wildschweine unseren Weg durch das kroatisch-bosnische Grenzgebiet. Mirsat meint, Kroatien habe zwei Gesichter, eines, sehr gepflegt hin zur EU und ein zweites, hässliches, hin zu Bosnien. Die Grenzregion war vor dem Krieg serbisches Siedlungsgebiet. Etliche verfallene Bauernhöfe in abgeschiedener Lage zeugen noch von einer prosperierenden Vergangenheit. Knapp nach dem Grenzort Obljaj stoppt uns eine Grenzpolizistin und weist uns zurück. Obwohl wir nur wenige Kilometer von unserem Ziel entfernt sind, ist hier eine Durchfahrt nicht möglich. Die Grenze ist geschlossen.
Mit diesem Umweg erreichen wir schließlich Bosnien. Unterschiede in den Ortsbildern fallen auf: War in Kroatien stets eine Kirche der Mittelpunkt des Dorfgeschehens, so ist es nun eine Moschee. Auf den Friedhöfen stehen statt Plastikblumen auf breiten schwarzen Marmorplatten schlanke hohe Grabsteine aus Stein. Und jeder bosnische Ort hat mindestens einen Baumarkt mit Aufschriften wie „beton centar“ oder „betonska galanterija“. Mirsat erklärt, dass der Bau von Wohnhäusern die einzige Möglichkeit gewesen war, um gleich nach dem Krieg Jobs zu schaffen. Das Kapital stammte großteils von Bosniern, die im Ausland leben.
Erschöpft von der sechsstündigen Autofahrt, erreichen wir das Hotel Urban in Bužim. Die Vorfreude auf ein kühles Bier wird leider enttäuscht. Es gibt kein Bier, lediglich eine alkoholfreie Variante und auch davon nur eine kleine Flasche. Immerhin: Die üppige Grillplatte lässt keine Balkanwünsche offen. →
Das Gebiet der Bosanska Krajina war bis zum 15. Jahrhundert Teil des Königreichs Ungarn. Nach der Eroberung der Region durch das Osmanische Reich wurde sie in das osmanische Bosnien eingegliedert und als Turska Hrvatska (Türkisches Kroatien) bezeichnet, ehe es um 1860 den heutigen Namen bekam. Die Bosanska Krajina bildete über Jahrhunderte das osmanische Gegenstück zur österreichischen Militärgrenze (Vojna Krajina), die die Region im Norden und Westen umschloss.
Während wir essen, kommt Rasim Poric an unseren Tisch. Er ist ein weit über die Landesgrenzen hinaus bekannter Imker, der für seine Kastanienhonige viele Auszeichnungen erhalten hat. Später gesellen sich weitere Imker aus dem Ort in die Runde. Die Gespräche drehen sich natürlich rund um die Biene und das miserable Wetter in diesem Jahr. Mirsat unterhält sich nicht nur, er hält Hof. Er spielt die Rolle des erfolgreichen Exilbosniers, der das Land rechtzeitig verlassen und es so zu etwas gebracht hatte. Ein heftiges Gewitter begleitet unser Abendessen.
Die Biografie des 50-jährigen Rasim fällt nüchterner aus: Sein Vater verschwand, als seine Mutter mit ihm schwanger war. Mit 17 Jahren geriet er in den Wahnsinn des Bosnienkrieges und erlitt einen Kopfdurchschuss. Eine kleine Narbe im Gesicht ist ihm geblieben. Mit seiner Frau Sabira und seinen beiden Kindern Hana und Salem bewirtschaftet er den elterlichen Hof etwas außerhalb des Ortes. Um über die Runden zu kommen, arbeitet er in den Wintermonaten als Fliesenleger. Doch der Krieg hatte auch eine gute Seite. Rasim erzählt, dass er in einer Wiese fünf zurückgelassene Körbe mit Bienen gefunden hatte. Das weckte sein Interesse und er holte sich Rat von erfahrenen Imkern im Dorf. Der Grundstein für seine eigene Imkerei war gelegt.
Da es nach Kriegsende kaum wirtschaftliche Perspektiven gab, haben viele Bosnier nach 1995 das Land verlassen. Rasim zählt zu denen, die geblieben sind, um sich mit großem Fleiß und Geschick vor Ort eine Existenz aufzubauen. Anfangs führte er ein kleines Lebensmittelgeschäft in Bužim. Für seine mittlerweile 40 Bienenvölker blieb ihm nur wenig Zeit. Einige Jahre später machte er die Imkerei zu seinem Hauptberuf und bewirtschaftet nun 200 Völker. Seinen Honig und die übrigen Bienen-produkte verkauft er auf Messen im ganzen Land. Was er anders oder besser macht als seine Imkerkollegen? „Wenn ich zu den Bienen gehe, setze ich mich erst hin, rauche eine Zigarette und überlege, was zu tun ist“, meint der Imker ironisch.
Der Hof liegt in schöner Lage auf einem Hügel. Schafe weiden auf den Wiesen. Ein Teil des Grün-landes dient als Bienenweide und wird später gemäht. Mädesüß blüht in hoher Dichte zwischen den Gräsern und lockt viele Insekten an. Die Bienenstöcke des Imkers stehen in mehreren Gruppen verteilt über den umliegenden Hügeln. Rasim ist auch ein bekannter Züchter von Bienenköniginnen. Für die Königinnenzucht wählt er seine besten Völker und stellt sie auf der Terrasse seines Hauses auf, um jederzeit rasch am Arbeitsplatz zu sein. Die Kastanientracht sei für seine Zuchtarbeit wesentlich, erklärt Rasim. Nur jene Völker, die zur Kastanienblüte Mitte Juni am meisten Honig bringen, werden weitervermehrt. Da die Kastanientracht die Bienen grundsätzlich aggressiv macht, sei die Sanftmütigkeit seiner Bienen das zweite Zuchtziel. ↓
Während die Herzegowina so etwas wie den verkarsteten, mediterranen Kräutergarten des Landes darstellt, ist das Landschaftsbild des nordwestlichen Bosniens völlig anders: Die Vegetation ist mitteleuropäisch. Und noch etwas unterscheidet die Honigreise nach Bosnien von der in den südlichen Landesteil. Diesmal begleitet mich ein orts- und sprachkundiger Reiseleiter.
Mirsat Karolic ist gebürtiger Bosnier und lebt seit 30 Jahren in Österreich. Er arbeitet als Polier für eine große Baufirma und hat mich eingeladen, ihn auf einer Imkerreise in sein Heimatland zu begleiten. Er möchte mir einen befreundeten Imker vorstellen und dabei Übersetzer sein. Er selbst betreut als Hobbyimker einige Bienenstöcke im Weinviertel. Mirsat ist, mit seinen 56 Jahren, eine stattliche Erscheinung. Er erwartet mich am vereinbarten Treffpunkt in seinem gepflegten schwarzen Mercedes. Das Auto hat er vor 12 Jahren selbst aus Deutschland importiert, wie er erzählt. Unser Ziel ist der Ort Bužim in der Bosanksa Krajina, dem nordwestlichsten Teil Bosniens, unweit der Grenze zu Kroatien. Die hügelige und bewaldete Region ist bekannt für ihre ausgedehnten Kastanienwälder, in denen die Bienen hocharomatischen Edel-kastanienhonig erzeugen.
Bald nach Zagreb rollen die Touristenkolonnen Richtung Adria und es wird einsam auf der Autobahn nach Belgrad. Mirsat möchte Bosnien über eine Abkürzung erreichen und verlässt sich dabei auf das Navi. Nach geschätzten 100 Kilometern über kurvenreiche, kleine Straßen und zuletzt über eine staubige Schotterpiste mit großen Schlaglöchern kreuzen nur noch Wildschweine unseren Weg durch das kroatisch-bosnische Grenzgebiet. Mirsat meint, Kroatien habe zwei Gesichter, eines, sehr gepflegt hin zur EU und ein zweites, hässliches, hin zu Bosnien. Die Grenzregion war vor dem Krieg serbisches Siedlungsgebiet. Etliche verfallene Bauernhöfe in abgeschiedener Lage zeugen noch von einer prosperierenden Vergangenheit. Knapp nach dem Grenzort Obljaj stoppt uns eine Grenzpolizistin und weist uns zurück. Obwohl wir nur wenige Kilometer von unserem Ziel entfernt sind, ist hier eine Durchfahrt nicht möglich. Die Grenze ist geschlossen.
Mit diesem Umweg erreichen wir schließlich Bosnien. Unterschiede in den Ortsbildern fallen auf: War in Kroatien stets eine Kirche der Mittelpunkt des Dorfgeschehens, so ist es nun eine Moschee. Auf den Friedhöfen stehen statt Plastikblumen auf breiten schwarzen Marmorplatten schlanke hohe Grabsteine aus Stein. Und jeder bosnische Ort hat mindestens einen Baumarkt mit Aufschriften wie „beton centar“ oder „betonska galanterija“. Mirsat erklärt, dass der Bau von Wohnhäusern die einzige Möglichkeit gewesen war, um gleich nach dem Krieg Jobs zu schaffen. Das Kapital stammte großteils von Bosniern, die im Ausland leben.
Erschöpft von der sechsstündigen Autofahrt, erreichen wir das Hotel Urban in Bužim. Die Vorfreude auf ein kühles Bier wird leider enttäuscht. Es gibt kein Bier, lediglich eine alkoholfreie Variante und auch davon nur eine kleine Flasche. Immerhin: Die üppige Grillplatte lässt keine Balkanwünsche offen. →
Das Gebiet der Bosanska Krajina war bis zum 15. Jahrhundert Teil des Königreichs Ungarn. Nach der Eroberung der Region durch das Osmanische Reich wurde sie in das osmanische Bosnien eingegliedert und als Turska Hrvatska (Türkisches Kroatien) bezeichnet, ehe es um 1860 den heutigen Namen bekam. Die Bosanska Krajina bildete über Jahrhunderte das osmanische Gegenstück zur österreichischen Militärgrenze (Vojna Krajina), die die Region im Norden und Westen umschloss.
Während wir essen, kommt Rasim Poric an unseren Tisch. Er ist ein weit über die Landesgrenzen hinaus bekannter Imker, der für seine Kastanienhonige viele Auszeichnungen erhalten hat. Später gesellen sich weitere Imker aus dem Ort in die Runde. Die Gespräche drehen sich natürlich rund um die Biene und das miserable Wetter in diesem Jahr. Mirsat unterhält sich nicht nur, er hält Hof. Er spielt die Rolle des erfolgreichen Exilbosniers, der das Land rechtzeitig verlassen und es so zu etwas gebracht hatte. Ein heftiges Gewitter begleitet unser Abendessen.
Die Biografie des 50-jährigen Rasim fällt nüchterner aus: Sein Vater verschwand, als seine Mutter mit ihm schwanger war. Mit 17 Jahren geriet er in den Wahnsinn des Bosnienkrieges und erlitt einen Kopfdurchschuss. Eine kleine Narbe im Gesicht ist ihm geblieben. Mit seiner Frau Sabira und seinen beiden Kindern Hana und Salem bewirtschaftet er den elterlichen Hof etwas außerhalb des Ortes. Um über die Runden zu kommen, arbeitet er in den Wintermonaten als Fliesenleger. Doch der Krieg hatte auch eine gute Seite. Rasim erzählt, dass er in einer Wiese fünf zurückgelassene Körbe mit Bienen gefunden hatte. Das weckte sein Interesse und er holte sich Rat von erfahrenen Imkern im Dorf. Der Grundstein für seine eigene Imkerei war gelegt.
Da es nach Kriegsende kaum wirtschaftliche Perspektiven gab, haben viele Bosnier nach 1995 das Land verlassen. Rasim zählt zu denen, die geblieben sind, um sich mit großem Fleiß und Geschick vor Ort eine Existenz aufzubauen. Anfangs führte er ein kleines Lebensmittelgeschäft in Bužim. Für seine mittlerweile 40 Bienenvölker blieb ihm nur wenig Zeit. Einige Jahre später machte er die Imkerei zu seinem Hauptberuf und bewirtschaftet nun 200 Völker. Seinen Honig und die übrigen Bienen-produkte verkauft er auf Messen im ganzen Land. Was er anders oder besser macht als seine Imkerkollegen? „Wenn ich zu den Bienen gehe, setze ich mich erst hin, rauche eine Zigarette und überlege, was zu tun ist“, meint der Imker ironisch.
Der Hof liegt in schöner Lage auf einem Hügel. Schafe weiden auf den Wiesen. Ein Teil des Grün-landes dient als Bienenweide und wird später gemäht. Mädesüß blüht in hoher Dichte zwischen den Gräsern und lockt viele Insekten an. Die Bienenstöcke des Imkers stehen in mehreren Gruppen verteilt über den umliegenden Hügeln. Rasim ist auch ein bekannter Züchter von Bienenköniginnen. Für die Königinnenzucht wählt er seine besten Völker und stellt sie auf der Terrasse seines Hauses auf, um jederzeit rasch am Arbeitsplatz zu sein. Die Kastanientracht sei für seine Zuchtarbeit wesentlich, erklärt Rasim. Nur jene Völker, die zur Kastanienblüte Mitte Juni am meisten Honig bringen, werden weitervermehrt. Da die Kastanientracht die Bienen grundsätzlich aggressiv macht, sei die Sanftmütigkeit seiner Bienen das zweite Zuchtziel. ↓
In seinem kleinen Hofladen verkauft er neben Honig auch weitere Bienenprodukte wie Pollen und Propolis. Ein weiterer Einkommenszweig des findigen Imkers ist die Produktion von Teilen der Bienenwohnung, für die er auch ein Patent besitzt.
Auf seiner Terrasse stehend, weist Rasim auf die Hügel der Umgebung. „Die Edelkastanienwälder sind in höheren Lagen ab 400 Metern auf den Hügelkuppen zu finden“, erklärt der Imker. Mit einem Umkreis von 100 Kilometern ist dieses natürliche Vorkommen der Kastanie eines der größten in Europa. Die Pflanze liebt die Wärme und benötigt für ihr Gedeihen viel Wasser im Frühling. Sie beginnt an den wärmeren Lagen etwas früher zu blühen. An den ersten drei bis fünf Tagen finden die Bienen nur Pollen, die Produktion des Nektars beginnt einige Zeit später. „Die Durchschnittsernte bei Edelkastanienhonig liegt bei etwa 20 Kilogramm pro Volk, in besonders guten Jahren kann man auch 40 kg erreichen. Wir haben hier keine Linden, die gleichzeitig mit der Kastanie blühen und an vielen Standorten ist die Kastanie fast die einzige Bienentrachtpflanze“, erzählt er.
Mit etwa 5.000 Bienenvölkern ist die Bienendichte in der Großgemeinde Bužim extrem hoch, dazu kommen in der Kastanienblüte noch 2.000 Völker von Wanderimkern. Etwa 80 % des Waldes ist in Staatsbesitz und der Staat Bosnien kümmere sich gut um seine Wälder, so der Imker. Zur Bekämpfung des gefährlichen Kastanienrindenkrebses habe auch die EU Geld zugeschossen. Die befallenen Bäume wurden gefällt und nachgepflanzt. Auch der Export von Maroni ist mittlerweile ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Etwa 1.000 Tonnen werden alljährlich in die EU exportiert. Einige bosnische Unternehmen haben sich auf die Herstellung von halbgetrockneten Früchten für die Eisproduktion spezialisiert. Seit 1998 hat sich der Exportpreis von damals € 0,20 auf zuletzt € 1,50 vervielfacht.
Aber das Wetter spielt dieses Jahr verrückt. Auf einen nassen und kalten Frühling folgte ein tropischer Frühsommer. Schwüle Hitze und Gewitter erschweren den Bienen das Sammeln des Nektars. Ein Besuch im Kastanienwald etwas oberhalb des Wohnhauses gerät zum Albtraum.
Starke Regenfälle haben tiefe Furchen im Schotterweg hinterlassen. Haufen von Hagelkörnern liegen im Straßengraben und der Weg ist bedeckt mit einem grünen Teppich aus abgeschlagenen Blättern und Blütenständen. Binnen Minuten hat das Hagelgewitter die Erntehoffnungen des Imkers zerstört: Es wird ein bitteres Jahr für die Ernte des bitteren Honigs. Ein Glück, dass das Hagelunwetter nur einen schmalen Streifen des Waldes getroffen hat. →
Stolz präsentiert Rasim die lange Liste an Preisen und Auszeichnungen, die er für seine Honige erhalten hat. Auf die Frage wie er seinen Kastanienhonig sensorisch beschreibt, sagt er: „Eine schwierige Frage. Es ist, als ob du jemanden, der seit 20 Jahren Hühner hält, aufforderst seine Tiere zu beschreiben“. Doch dann legt er los: „Ein rötliches Braun in der Farbe, in Geruch und Geschmack unverwechselbar. Extrem starker Duft und Aroma, der Bitterton entwickelt sich erst mit der Zeit am Gaumen. Bei reinem Kastanienhonig verschlägt es einem den Atem, weil der Geschmack so bitter ist.“ In Pollenanalysen zeigten die Honige aus der Region einen Trachtanteil an Kastanie von bis zu 90 %. Das ist auch der Grund, warum die Kastanienhonige der Bosanska Krajina mittlerweile eine geschützte geografische Herkunft erhalten haben.
Zum Abschied gibt es, auf Empfehlung des Imkers, eine herrliche Forelle im Restoran Alga in Bosanska Krupa. Das beliebte Speiselokal liegt direkt am Flussufer der Una. Im türkisfarbenen Wasser stehen einzelne Weiden. Ein Steg ist dekoriert mit weißen Rosen, einem Tischchen und zwei Stühlen. Ein Ort wie geschaffen für ein romantisches Hochzeitsfoto nach Balkanart. Mirsat scherzt mit dem Kellner. Er kennt auch diesen Beruf. Immerhin war er vor seiner Arbeit in der Baubranche drei Jahre Kellner im Restaurant Sole in der Annagasse in Wien. Die gesamte Opernprominenz von Anna Netrebko bis Placido Domingo habe er bedient. Sein Filetieren der Fische sei legendär gewesen und habe ihm reichlich Trinkgeld eingebracht. Das Gespräch mit Rasim dreht sich wieder um die Kunst der Bienenzucht und seine Zukunftspläne. Zumindest von seiner (ferneren) Zukunft hat er eine exakte Vorstellung: Im nächsten Leben, so sagt er, möchte er wieder Imker sein. ♦
Bezugsquelle für Edelkastanienhonig:
Rasim Porić, Bućevci bb, Bužim
Tel: + 387 61 806 653
Reisetipps:
Hotel Urban/Bužim
Restauran Alga/Bosanska Krupa
Restauran Slap/Bosanska Otoka
Una Nationalpark
In seinem kleinen Hofladen verkauft er neben Honig auch weitere Bienenprodukte wie Pollen und Propolis. Ein weiterer Einkommenszweig des findigen Imkers ist die Produktion von Teilen der Bienenwohnung, für die er auch ein Patent besitzt.
Auf seiner Terrasse stehend, weist Rasim auf die Hügel der Umgebung. „Die Edelkastanienwälder sind in höheren Lagen ab 400 Metern auf den Hügelkuppen zu finden“, erklärt der Imker. Mit einem Umkreis von 100 Kilometern ist dieses natürliche Vorkommen der Kastanie eines der größten in Europa. Die Pflanze liebt die Wärme und benötigt für ihr Gedeihen viel Wasser im Frühling. Sie beginnt an den wärmeren Lagen etwas früher zu blühen. An den ersten drei bis fünf Tagen finden die Bienen nur Pollen, die Produktion des Nektars beginnt einige Zeit später. „Die Durchschnittsernte bei Edelkastanienhonig liegt bei etwa 20 Kilogramm pro Volk, in besonders guten Jahren kann man auch 40 kg erreichen. Wir haben hier keine Linden, die gleichzeitig mit der Kastanie blühen und an vielen Standorten ist die Kastanie fast die einzige Bienentrachtpflanze“, erzählt er.
Mit etwa 5.000 Bienenvölkern ist die Bienendichte in der Großgemeinde Bužim extrem hoch, dazu kommen in der Kastanienblüte noch 2.000 Völker von Wanderimkern. Etwa 80 % des Waldes ist in Staatsbesitz und der Staat Bosnien kümmere sich gut um seine Wälder, so der Imker. Zur Bekämpfung des gefährlichen Kastanienrindenkrebses habe auch die EU Geld zugeschossen. Die befallenen Bäume wurden gefällt und nachgepflanzt. Auch der Export von Maroni ist mittlerweile ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Etwa 1.000 Tonnen werden alljährlich in die EU exportiert. Einige bosnische Unternehmen haben sich auf die Herstellung von halbgetrockneten Früchten für die Eisproduktion spezialisiert. Seit 1998 hat sich der Exportpreis von damals € 0,20 auf zuletzt € 1,50 vervielfacht.
Aber das Wetter spielt dieses Jahr verrückt. Auf einen nassen und kalten Frühling folgte ein tropischer Frühsommer. Schwüle Hitze und Gewitter erschweren den Bienen das Sammeln des Nektars. Ein Besuch im Kastanienwald etwas oberhalb des Wohnhauses gerät zum Albtraum.
Starke Regenfälle haben tiefe Furchen im Schotterweg hinterlassen. Haufen von Hagelkörnern liegen im Straßengraben und der Weg ist bedeckt mit einem grünen Teppich aus abgeschlagenen Blättern und Blütenständen. Binnen Minuten hat das Hagelgewitter die Erntehoffnungen des Imkers zerstört: Es wird ein bitteres Jahr für die Ernte des bitteren Honigs. Ein Glück, dass das Hagelunwetter nur einen schmalen Streifen des Waldes getroffen hat. →
Stolz präsentiert Rasim die lange Liste an Preisen und Auszeichnungen, die er für seine Honige erhalten hat. Auf die Frage wie er seinen Kastanienhonig sensorisch beschreibt, sagt er: „Eine schwierige Frage. Es ist, als ob du jemanden, der seit 20 Jahren Hühner hält, aufforderst seine Tiere zu beschreiben“. Doch dann legt er los: „Ein rötliches Braun in der Farbe, in Geruch und Geschmack unverwechselbar. Extrem starker Duft und Aroma, der Bitterton entwickelt sich erst mit der Zeit am Gaumen. Bei reinem Kastanienhonig verschlägt es einem den Atem, weil der Geschmack so bitter ist.“ In Pollenanalysen zeigten die Honige aus der Region einen Trachtanteil an Kastanie von bis zu 90 %. Das ist auch der Grund, warum die Kastanienhonige der Bosanska Krajina mittlerweile eine geschützte geografische Herkunft erhalten haben.
Zum Abschied gibt es, auf Empfehlung des Imkers, eine herrliche Forelle im Restoran Alga in Bosanska Krupa. Das beliebte Speiselokal liegt direkt am Flussufer der Una. Im türkisfarbenen Wasser stehen einzelne Weiden. Ein Steg ist dekoriert mit weißen Rosen, einem Tischchen und zwei Stühlen. Ein Ort wie geschaffen für ein romantisches Hochzeitsfoto nach Balkanart. Mirsat scherzt mit dem Kellner. Er kennt auch diesen Beruf. Immerhin war er vor seiner Arbeit in der Baubranche drei Jahre Kellner im Restaurant Sole in der Annagasse in Wien. Die gesamte Opernprominenz von Anna Netrebko bis Placido Domingo habe er bedient. Sein Filetieren der Fische sei legendär gewesen und habe ihm reichlich Trinkgeld eingebracht. Das Gespräch mit Rasim dreht sich wieder um die Kunst der Bienenzucht und seine Zukunftspläne. Zumindest von seiner (ferneren) Zukunft hat er eine exakte Vorstellung: Im nächsten Leben, so sagt er, möchte er wieder Imker sein. ♦
Bezugsquelle für Edelkastanienhonig:
Rasim Porić, Bućevci bb, Bužim
Tel: + 387 61 806 653
Reisetipps:
Hotel Urban/Bužim
Restauran Alga/Bosanska Krupa
Restauran Slap/Bosanska Otoka
Una Nationalpark