Kososvo  Die Bienenkönigin

Kososvo  Die Bienenkönigin

Das Eintreffen im charmanten Hotel Prizreni: Ein Kellner übernimmt den Autoschlüssel und verschwindet mit dem Wagen in engen, steilen Gassen der Altstadt. Der weinumrankte Balkon des Zimmers geht auf einen belebten Platz direkt hinter der Sinan Pascha Moschee. Dort sind die Tische des Cafés Konaku über mehrere Terrassen verteilt. Das Café ist gut besucht. Die meisten Gäste trinken Çay und knabbern dazu Salznüsse. Ein Brunnen rauscht, der Ruf des Muezzins überlagert die Geräuschkulisse und wechselt sich ab mit dem Donnern eines aufziehenden Gewitters.

Die Restaurantempfehlung des Kellners entpuppt sich, ebenso wie die Bewertung auf Tripadvisor, als Touristennepp der übelsten Art. Im Restaurant Hani y Vjeter wird die traditionelle Grillplatte zum kulinarischen Albtraum. Das Lammfleisch ist vorgekocht und aufgewärmt, die Erdäpfel sind  glasig und ohne Geschmack. Die dazu servierten Byrekstücke bestenfalls von vorgestern. Selbst das „homemade Ajvar  kann der Konkurrenz aus dem Diskonter nicht das Wasser reichen. Dazu kommt noch drückende, schwüle Hitze. 

Eine bettelnde Katze schafft Abhilfe.

Die Flaniermeile von Prizren, der zweitgrößte Stadt des Kosovo, ist in den Sommermonaten bei vielen Besuchern mit Migrationsvordergrund ein beliebtes Ziel. Das Arbeitsjahr verbringen viele Kosovo-Albaner mit harter Arbeit auf Baustellen oder als Handwerker in den Städten Mitteleuropas, vorzugsweise in der Schweiz oder in Deutschland. Der alljährliche Besuch bei der Familie wird dann abends durch das Flanieren in der osmanisch geprägten Altstadt von Prizren gekrönt. Große dunkle Wagen mit Schweizer Kennzeichen gelten als Symbol für besonderen wirtschaftlichen Erfolg und werden gut sichtbar in Restaurantnähe geparkt. Um viele Tische wuseln zwei oder mehrere Kinder, die ein Gemisch aus Deutsch und Albanisch sprechen. Balkanpop in der Endlosschleife dröhnt aus unzähligen Lautsprechern.

Und noch eine Attraktion bietet Prizren. Die Adem Jashari Straße am Rande der Altstadt gilt als heißer Tipp für Heiratswillige aus dem gesamten Südbalkan. In zahlreichen Juwelierläden liegt Goldschmuck für die Bräute bereit. Gleich daneben werden Brautkleider feilgeboten. Günstigere, in zeitgemäßem Glitzerlook oder prächtige Kleider, traditionell mit aufwändigen Stickarbeiten überzogen, dafür ohne Preisangabe. Ein Hochzeitsfest im Kosovo kann, abhängig von der finanziellen Situation des Bräutigams, bis zu sieben Tage dauern. Die Braut zieht sich dabei vielfach um. Geldgeschenke der Gäste sind üblich, um die teils beträchtlichen Kosten einer solchen Feier zu decken. Die Hochzeitsindustrie ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor des kleinen Balkanlandes. 

Frühmorgens treffen wir Shiqipe Shala (36) und ihren Ehemann Liridon (37) in einem Café der Stadt an der Ausfahrtsstraße Richtung Westen. Das Video einer NGO hatte unser Interesse geweckt. Es zeigt eine rotblonde Imkerin mit Sommersprossen bei der Bienenarbeit in den Bergen des Nationalparks Sharr im Süden des Kosovo. Das Besondere: Shiqipe ist der Boss des Unternehmens Bletaria Etniki mit mittlerweile fast 300 Bienenvölkern. Ihr Ehemann Liridon ist ihr Angestellter, eine Konstellation, die im ländlichen Kosovo und selbst weit darüber hinaus, nicht gerade üblich ist. 

Wie fast immer bei Imkerbesuchen, gerät die Fahrt zu den Bienenständen zum Abenteuer und ermöglicht so nebenbei Einblicke in die Biografie. Shiqipe hat ihre Bienen auf vier Standorte in den Bergen des Sharr Gebirges, wenige Kilometer südwestlich von Prizren, verteilt.

Das Roadmovie beginnt an einem Ort namens Poslishë. Hier ist der Platz für etwa 80 Jungvölker, ein Erdbeerfeld und einen riesiger Folientunnel, der die Großfamilie mit Gemüse versorgt. Shiqipe erzählt von Plänen, hier ein Gebäude für Apitherapie und eine Honigverkaufsstelle zu errichten. Auch ein Fischteich und ein Streichelzoo sind in Planung. Und sie möchte hier Workshops für Imkerei abhalten, sowohl für Erwachsene als auch für Kinder.

Shiqipe stammt aus einer bäuerlichen Familie in der Umgebung. Die Liebe zum Gemüsebau hat sie von ihrem Vater geerbt. Die Bienen kamen erst später. Ein Glas Honig auf dem Bauernmarkt von Prizren habe sie derart begeistert, dass sie sich fragte: Ich kann vieles, aber warum keinen Honig machen? Sie nahm Unterricht bei einem Imker und kaufte ihre ersten Bienen im Winter. Ein Fehler wie sich bald herausstellte. Sie gab nicht auf. 2010 hatte sie ihre erste Ernte: 36 kg goldgelben Honigs. Der Erlös war bescheiden und wurde sofort wieder investiert. Ihr Start als Geschäftsfrau und Berufsimkerin war im patriarchalischen Umfeld des muslinischen Kosovos alles andere als einfach. 

Was ein Mann kaum schafft, kann eine Frau sowieso nicht erreichen.“ 

Solche oder so ähnliche Dinge bekam sie ständig zu hören. Ihr Ehemann Liridon spricht fließend Italienisch. Er arbeitete fast 4 Jahre als Installateur in Lugano. Er ist eines jener handwerklichen Multitalente, ohne die längst keine Baustelle in den Städten Mitteleuropas mehr funktionieren würde. Liridon ist voll von Plänen und Projekten und  so nebenbei Erfinder von allerlei nützlichem Gerät für die Imkerei. Er zeigt ein Foto von einem selbstgebauten Wanderwagen für Bienenstöcke, dann ein weiteres von einem schmiedeeisenen Stiegengeländer,  natürlich selbstgebaut. Neben dem Geländer ist eine Stiege mit beheizbaren Stufen. Ein wärmendes Geschenk an seine Frau, die auf der Stiege sitzend zu telefonieren pflegt. 

Der Bauernhof von Liridons Eltern ist im Nachbarort und dient als Ferienwohnung im Sommer. Das Ehepaar hat drei Kinder und lebt wegen der besseren Bildungsmöglichkeiten der Kinder in der Stadt Prizren. Der Arbeitsalltag des Ehepaares beginnt früh. Nach nur 4-5 Stunden Schlaf pro Nacht macht sich Liridon um 4 Uhr in der Früh auf den Weg in die Arbeit. Er wartet die Maschinen in vier Fabriken in Prizren. Nur von der Imkerei zu leben geht sich für die Familie nicht aus. Zu klein sind die Honig-erträge von durchschnittlich nur 12 kg pro Volk und Jahr. Und viel zu hoch die Lebenshaltungskosten. Shiqipe fährt meist alleine zu den Bienen, nur wenn schwere Arbeit zu leisten ist, kommt auch ihr Mann.

Mittlerweile hat sie es geschafft.  Die Imkerin ist weit über die Region hinaus bekannt.  So skeptisch die Männer damals auch waren, heute kommen sie und fragen mich um Rat“, sagt Shiqipe lächelnd. Sie wird zu Vorträgen über Imkerei im ganzen Land eingeladen und gibt auch telefonisch Rat. Ein besonderes Anliegen ist ihr die Bienenarbeit mit Kindern. Und sie freut sich besonders darüber, dass weitere Frauen inzwischen ihrem Beispiel folgten und ihr eigenes Geld mit der Imkerei verdienen. 

Das Eintreffen im charmanten Hotel Prizreni: Ein Kellner übernimmt den Autoschlüssel und verschwindet mit dem Wagen in engen, steilen Gassen der Altstadt. Der weinumrankte Balkon des Zimmers geht auf einen belebten Platz direkt hinter der Sinan Pascha Moschee. Dort sind die Tische des Cafés Konaku über mehrere Terrassen verteilt. Das Café ist gut besucht. Die meisten Gäste trinken Çay und knabbern dazu Salznüsse. Ein Brunnen rauscht, der Ruf des Muezzins überlagert die Geräuschkulisse und wechselt sich ab mit dem Donnern eines aufziehenden Gewitters.

Die Restaurantempfehlung des Kellners entpuppt sich, ebenso wie die Bewertung auf Tripadvisor, als Touristennepp der übelsten Art. Im Restaurant Hani y Vjeter wird die traditionelle Grillplatte zum kulinarischen Albtraum. Das Lammfleisch ist vorgekocht und aufgewärmt, die Erdäpfel sind  glasig und ohne Geschmack. Die dazu servierten Byrekstücke bestenfalls von vorgestern. Selbst das „homemade Ajvar  kann der Konkurrenz aus dem Diskonter nicht das Wasser reichen. Dazu kommt noch drückende, schwüle Hitze. 

Eine bettelnde Katze schafft Abhilfe.

Die Flaniermeile von Prizren, der zweitgrößte Stadt des Kosovo, ist in den Sommermonaten bei vielen Besuchern mit Migrationsvordergrund ein beliebtes Ziel. Das Arbeitsjahr verbringen viele Kosovo-Albaner mit harter Arbeit auf Baustellen oder als Handwerker in den Städten Mitteleuropas, vorzugsweise in der Schweiz oder in Deutschland. Der alljährliche Besuch bei der Familie wird dann abends durch das Flanieren in der osmanisch geprägten Altstadt von Prizren gekrönt. Große dunkle Wagen mit Schweizer Kennzeichen gelten als Symbol für besonderen wirtschaftlichen Erfolg und werden gut sichtbar in Restaurantnähe geparkt. Um viele Tische wuseln zwei oder mehrere Kinder, die ein Gemisch aus Deutsch und Albanisch sprechen. Balkanpop in der Endlosschleife dröhnt aus unzähligen Lautsprechern.

Und noch eine Attraktion bietet Prizren. Die Adem Jashari Straße am Rande der Altstadt gilt als heißer Tipp für Heiratswillige aus dem gesamten Südbalkan. In zahlreichen Juwelierläden liegt Goldschmuck für die Bräute bereit. Gleich daneben werden Brautkleider feilgeboten. Günstigere, in zeitgemäßem Glitzerlook oder prächtige Kleider, traditionell mit aufwändigen Stickarbeiten überzogen, dafür ohne Preisangabe. Ein Hochzeitsfest im Kosovo kann, abhängig von der finanziellen Situation des Bräutigams, bis zu sieben Tage dauern. Die Braut zieht sich dabei vielfach um. Geldgeschenke der Gäste sind üblich, um die teils beträchtlichen Kosten einer solchen Feier zu decken. Die Hochzeitsindustrie ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor des kleinen Balkanlandes. 

Frühmorgens treffen wir Shiqipe Shala (36) und ihren Ehemann Liridon (37) in einem Café der Stadt an der Ausfahrtsstraße Richtung Westen. Das Video einer NGO hatte unser Interesse geweckt. Es zeigt eine rotblonde Imkerin mit Sommersprossen bei der Bienenarbeit in den Bergen des Nationalparks Sharr im Süden des Kosovo. Das Besondere: Shiqipe ist der Boss des Unternehmens Bletaria Etniki mit mittlerweile fast 300 Bienenvölkern. Ihr Ehemann Liridon ist ihr Angestellter, eine Konstellation, die im ländlichen Kosovo und selbst weit darüber hinaus, nicht gerade üblich ist. 

Wie fast immer bei Imkerbesuchen, gerät die Fahrt zu den Bienenständen zum Abenteuer und ermöglicht so nebenbei Einblicke in die Biografie. Shiqipe hat ihre Bienen auf vier Standorte in den Bergen des Sharr Gebirges, wenige Kilometer südwestlich von Prizren, verteilt.

Das Roadmovie beginnt an einem Ort namens Poslishë. Hier ist der Platz für etwa 80 Jungvölker, ein Erdbeerfeld und einen riesiger Folientunnel, der die Großfamilie mit Gemüse versorgt. Shiqipe erzählt von Plänen, hier ein Gebäude für Apitherapie und eine Honigverkaufsstelle zu errichten. Auch ein Fischteich und ein Streichelzoo sind in Planung. Und sie möchte hier Workshops für Imkerei abhalten, sowohl für Erwachsene als auch für Kinder.

Shiqipe stammt aus einer bäuerlichen Familie in der Umgebung. Die Liebe zum Gemüsebau hat sie von ihrem Vater geerbt. Die Bienen kamen erst später. Ein Glas Honig auf dem Bauernmarkt von Prizren habe sie derart begeistert, dass sie sich fragte: Ich kann vieles, aber warum keinen Honig machen? Sie nahm Unterricht bei einem Imker und kaufte ihre ersten Bienen im Winter. Ein Fehler wie sich bald herausstellte. Sie gab nicht auf. 2010 hatte sie ihre erste Ernte: 36 kg goldgelben Honigs. Der Erlös war bescheiden und wurde sofort wieder investiert. Ihr Start als Geschäftsfrau und Berufsimkerin war im patriarchalischen Umfeld des muslinischen Kosovos alles andere als einfach. 

Was ein Mann kaum schafft, kann eine Frau sowieso nicht erreichen.“ 

Solche oder so ähnliche Dinge bekam sie ständig zu hören. Ihr Ehemann Liridon spricht fließend Italienisch. Er arbeitete fast 4 Jahre als Installateur in Lugano. Er ist eines jener handwerklichen Multitalente, ohne die längst keine Baustelle in den Städten Mitteleuropas mehr funktionieren würde. Liridon ist voll von Plänen und Projekten und  so nebenbei Erfinder von allerlei nützlichem Gerät für die Imkerei. Er zeigt ein Foto von einem selbstgebauten Wanderwagen für Bienenstöcke, dann ein weiteres von einem schmiedeeisenen Stiegengeländer,  natürlich selbstgebaut. Neben dem Geländer ist eine Stiege mit beheizbaren Stufen. Ein wärmendes Geschenk an seine Frau, die auf der Stiege sitzend zu telefonieren pflegt. 

Der Bauernhof von Liridons Eltern ist im Nachbarort und dient als Ferienwohnung im Sommer. Das Ehepaar hat drei Kinder und lebt wegen der besseren Bildungsmöglichkeiten der Kinder in der Stadt Prizren. Der Arbeitsalltag des Ehepaares beginnt früh. Nach nur 4-5 Stunden Schlaf pro Nacht macht sich Liridon um 4 Uhr in der Früh auf den Weg in die Arbeit. Er wartet die Maschinen in vier Fabriken in Prizren. Nur von der Imkerei zu leben geht sich für die Familie nicht aus. Zu klein sind die Honig-erträge von durchschnittlich nur 12 kg pro Volk und Jahr. Und viel zu hoch die Lebenshaltungskosten. Shiqipe fährt meist alleine zu den Bienen, nur wenn schwere Arbeit zu leisten ist, kommt auch ihr Mann.

Mittlerweile hat sie es geschafft.  Die Imkerin ist weit über die Region hinaus bekannt.  So skeptisch die Männer damals auch waren, heute kommen sie und fragen mich um Rat“, sagt Shiqipe lächelnd. Sie wird zu Vorträgen über Imkerei im ganzen Land eingeladen und gibt auch telefonisch Rat. Ein besonderes Anliegen ist ihr die Bienenarbeit mit Kindern. Und sie freut sich besonders darüber, dass weitere Frauen inzwischen ihrem Beispiel folgten und ihr eigenes Geld mit der Imkerei verdienen. 

Der Weg zum zweiten Bienenstand, etwas höher in den Bergen gelegen, wird gleich zweimal blockiert. Erst durch einen Schotterhaufen, der neben einer Baustelle auf den Weg gekippt wurde.

Liridon nimmt eine Schaufel zur Hand und ebnet einen Teil des Schotterhaufens, seine Frau fährt millimetergenau am seitlichen Baustellengitter vorbei. Ein zweites Mal durch eine Schildkröte, der die Imkerin souverän ausweicht. Der letzte Teil des Weges gleicht einem ausgetrockneten Bachbett. Gekonnt manövriert der alte Suzuki Allrad durch knietief ausgeschwemmte Furchen.

Der trockene Kommentar des Ehemanns am Beifahrersitz: „Ich habe Vertrauen in die Fahrkünste meiner Frau.“

Wir erreichen den Bienenstand Radeisht, hoch in den Bergen über Prizren. Das Imkerpaar hat hier mit den Ersparnissen etwas Land von einem Bekannten gekauft und mit Kastanien bepflanzt. Auf eigene Kosten hat Liridon einen Weg zu den Bienenstöcken angelegt. Er arbeitete wochenlang mit einem Stromgenerator und einem Kompressor. Was er mit dem Presslufthammer nicht schaffte, erledigte ein Freund mittels Sprengung.

Liridon zeigt uns eine Stelle am Wegrand aus der armdick Wasser strömt und von den Bienen auf den feuchten Steinen gesammelt wird. Etwas weiter oberhalb beugt er sich über einen schmalen Spalt im Felsen. Kalte Luft strömt heraus, von Ferne ist dumpfes Wasserrauschen hörbar. Beim Wegebau hat er zufällig diese Quelle entdeckt und gefasst. Ein weiteres seiner zukünftigen Projekte ist es, den unter-irdischen Wasserlauf freizulegen. „Irgendwann“, wie er sagt.

Der Bienenstand Radeisht ist der Lieblingsplatz von Shiquipe. „Man sieht die Stadt von hier. Ein Blick ins Weite, voll von Blüten und jedes Mal neu“, sagt sie. Früher war hier ein Weingarten, der dann verwilderte. Das Ehepaar hat hunderte Kastanienbäume gepflanzt um den Bienen eine zusätzliche

Futterquelle zu bieten.  Als wir die höchste Stelle des Grundstücks erreichen, erzählt Liridon seine erste Bärengeschichte: „Vor einigen Jahren saß mein Vater genau hier und aß sein Jausenbrot. Einige Meter hinter ihm lief plötzlich ein Bär vorbei. Mein Vater dachte , es wäre eine Kuh und drehte sich nicht um.  Als er die Verwechslung bemerkte, sprang er rasch ins Auto und verließ den Ort. Er wollte jedoch bei einem anderen Bienenstand noch rasch etwas erledigen. Als sich bei seiner Rückkehr zum Auto gleich zwei Bären in der Nähe des geparkten Fahrzeugs aufhielten, rief er mich an und bat mich, ihn rasch abzuholen.“

Er weist ins dichte Gebüsch und sagt: „Im Dickicht verbergen sich nicht nur Schildkröten und Bären. Auch Schlangen leben hier in großer Zahl, der Ort hält immer Abenteuer für einen bereit.“ Als Kind habe er mit giftigen Hornvipern gespielt. Seine Freunde glaubten, er habe stets Schlangen bei sich und hatten Angst vor ihm. Unterdessen zeigt Shiqipe ein Foto von ihr an diesem Bienenstand. Sie ist hochschwanger mit dem jüngsten Kind. Es ist der letzte Tag vor der Geburt.

Der Weg zum dritten Bienenstand Livadica gleicht einer Achterbahn im Dschungel, der selbst zu Fuß große Mühe bereitet hätte. Der vollbesetzte Geländewagen hat diesmal nicht nur mit dem schlechten Weg zu kämpfen, sondern auch mit meterhohem Gestrüpp. Als Shiqipe unsere besorgten Blicke bemerkt, sagt sie. „Ich fahre hier besser als in der Stadt. Hier gibt es keine Idioten. Nur ich und die Straße.“ An der Umzäunung des  Bienenstandes hängt ein alter Weidenkorb, der früher als Bienenwohnung gedient hatte. Eine Art Branding, die alle Bienenstände der Bletaria Etniki kennzeichnen. „Die Bienen finden hier in Livadica keine Kastanienblüten, so wie in den Bergen, dafür Quitten, Kirschen und andere Obstblüten Die 5 ha Land sind seit vielen Jahren in Familienbesitz. Liridons Vater hat den Weg hinunter angelegt“, erzählt die Imkerin. 

Der vierte und letzter Bienenstand heißt Leska: Es war der ersten Standplatz der Familie Shala. Anfangs führte nur ein Gehweg hierher. Shiqipe zeigt ein Foto von einem Bienentransport mit Scheibtruhe. Und sie verrät des Geheimnis des Namens der Imkerei “Etniki”: Es ist Vorname ihres ältesten Sohnes. Und Liridon hat auch zu diesem Ort eine Bärengeschichte: Als er vor einiger Zeit mit dem Auto hierherkam, war ein Bär an der Arbeit und hatte bereits fünf Bienenvölker geplündert.

Er wählte seine Beute gut verteilt: einer vorne, zwei in der Mitte und zwei ganz hinten.  Und er ließ sich nur ungern bei der Arbeit stören und verließ  den Ort ganz langsam. So, als wolle er sagen: „Wer kommt denn da? Ich war vorher da“, erzählt er. Damit war der Zeitpunkt gekommen, alle Bienenstände mit einem Baustellengitter und zusätzlich mit einem Elektrozaun vor Bären zu sichern. 

Perückenstrauch kommt hier massenhaft vor“, sagt Liridon und zeigt uns eine Pflanze. „Er prägt auch den Geschmack des Honigs.“ 

Reinsortige Honige zu ernten sei in dieser Gegend jedoch unmöglich. Zu hoch sei die Artenvielfalt an Bienentrachtpflanzen.  Allerdings, so ist Liridon überzeugt, könne er die Honige seiner Standorte ganz deutlich unterscheiden.

Die anschließende Einladung ins Restaurant Qebaptore Te Vrrini in Prizren gerät zum kulinarischen Highlight unserer Kosovoreise. Wunderbare duftendes Brot, frisches Faschiertes und knackiges Gemüse. Nichts verrät die verborgenen Qualitäten dieses kleinen, garagenähnlichen Restaurants in unspektakulärer Lage. Auf die Frage: „Gehen Frauen mit Bienen anders um?“ antwortet Liridon als Erster: Er sagt, Shiqupe entdecke immer die jungen Königin, wenn sie ins Bienenvolk schaut. Auch wenn er sie nicht finden kann, sie finde die Königin immer. Wie sie es macht, weiß er nicht, vielleicht habe sie mehr Instinkt. Shiqipe vergleicht die Bienenarbeit mit der Mutterschaft. „Es ist dasselbe mit jungen Müttern, sie wissen viel mehr über ihre Neugeborenen. Es gibt nur eine Rolle für den Vater aber so viele Rollen für die Mutter“.  Sie ergänzt: „Vielleicht habe ich mehr Geduld und Feingefühl

Manchmal sage ich zu meinem Mann: Hörst du diese andersartigen Geräusche?  Irgendwas passiert hier gerade“. Er hat es nicht bemerkt, sie schon. Liridon erkenne die Details im Bienenvolk eher von außen, am Bienenflug. Dafür arbeite sie schneller und erkenne den Zustand innen.  Außerdem denke er bei der Bienenarbeit immer  an andere Dinge, etwa an den Hausbau und verliere den Fokus. „Ich hingegen bin voll bei der Sache“, sagt sie. „Manchmal höre ich Musik oder singe bei der Bienenarbeit. Aber ich bin immer voll dabei.“ 

Bezugsquelle für Honig aus dem Sharr Gebirge:

Bletaria Etnik
Shiqipe & Liridon Shala

Kushtrim/Billushe/Prizren
Tel. Shiquipe: +383 45 888 901
Tel. Liridon: +383 44 134 557 (spricht Italienisch)

Reisetipps:

Hotel Prizreni/Prizren
Qebaptore Te Vrrini/Prizren
Motel Karpa/Strpce

Der Weg zum zweiten Bienenstand, etwas höher in den Bergen gelegen, wird gleich zweimal blockiert. Erst durch einen Schotterhaufen, der neben einer Baustelle auf den Weg gekippt wurde.

Liridon nimmt eine Schaufel zur Hand und ebnet einen Teil des Schotterhaufens, seine Frau fährt millimetergenau am seitlichen Baustellengitter vorbei. Ein zweites Mal durch eine Schildkröte, der die Imkerin souverän ausweicht. Der letzte Teil des Weges gleicht einem ausgetrockneten Bachbett. Gekonnt manövriert der alte Suzuki Allrad durch knietief ausgeschwemmte Furchen.

Der trockene Kommentar des Ehemanns am Beifahrersitz: „Ich habe Vertrauen in die Fahrkünste meiner Frau.“

Wir erreichen den Bienenstand Radeisht, hoch in den Bergen über Prizren. Das Imkerpaar hat hier mit den Ersparnissen etwas Land von einem Bekannten gekauft und mit Kastanien bepflanzt. Auf eigene Kosten hat Liridon einen Weg zu den Bienenstöcken angelegt. Er arbeitete wochenlang mit einem Stromgenerator und einem Kompressor. Was er mit dem Presslufthammer nicht schaffte, erledigte ein Freund mittels Sprengung.

Liridon zeigt uns eine Stelle am Wegrand aus der armdick Wasser strömt und von den Bienen auf den feuchten Steinen gesammelt wird. Etwas weiter oberhalb beugt er sich über einen schmalen Spalt im Felsen. Kalte Luft strömt heraus, von Ferne ist dumpfes Wasserrauschen hörbar. Beim Wegebau hat er zufällig diese Quelle entdeckt und gefasst. Ein weiteres seiner zukünftigen Projekte ist es, den unter-irdischen Wasserlauf freizulegen. „Irgendwann“, wie er sagt.

Der Bienenstand Radeisht ist der Lieblingsplatz von Shiquipe. „Man sieht die Stadt von hier. Ein Blick ins Weite, voll von Blüten und jedes Mal neu“, sagt sie. Früher war hier ein Weingarten, der dann verwilderte. Das Ehepaar hat hunderte Kastanienbäume gepflanzt um den Bienen eine zusätzliche

Futterquelle zu bieten.  Als wir die höchste Stelle des Grundstücks erreichen, erzählt Liridon seine erste Bärengeschichte: „Vor einigen Jahren saß mein Vater genau hier und aß sein Jausenbrot. Einige Meter hinter ihm lief plötzlich ein Bär vorbei. Mein Vater dachte , es wäre eine Kuh und drehte sich nicht um.  Als er die Verwechslung bemerkte, sprang er rasch ins Auto und verließ den Ort. Er wollte jedoch bei einem anderen Bienenstand noch rasch etwas erledigen. Als sich bei seiner Rückkehr zum Auto gleich zwei Bären in der Nähe des geparkten Fahrzeugs aufhielten, rief er mich an und bat mich, ihn rasch abzuholen.“

Er weist ins dichte Gebüsch und sagt: „Im Dickicht verbergen sich nicht nur Schildkröten und Bären. Auch Schlangen leben hier in großer Zahl, der Ort hält immer Abenteuer für einen bereit.“ Als Kind habe er mit giftigen Hornvipern gespielt. Seine Freunde glaubten, er habe stets Schlangen bei sich und hatten Angst vor ihm. Unterdessen zeigt Shiqipe ein Foto von ihr an diesem Bienenstand. Sie ist hochschwanger mit dem jüngsten Kind. Es ist der letzte Tag vor der Geburt.

Der Weg zum dritten Bienenstand Livadica gleicht einer Achterbahn im Dschungel, der selbst zu Fuß große Mühe bereitet hätte. Der vollbesetzte Geländewagen hat diesmal nicht nur mit dem schlechten Weg zu kämpfen, sondern auch mit meterhohem Gestrüpp. Als Shiqipe unsere besorgten Blicke bemerkt, sagt sie. „Ich fahre hier besser als in der Stadt. Hier gibt es keine Idioten. Nur ich und die Straße.“ An der Umzäunung des  Bienenstandes hängt ein alter Weidenkorb, der früher als Bienenwohnung gedient hatte. Eine Art Branding, die alle Bienenstände der Bletaria Etniki kennzeichnen. „Die Bienen finden hier in Livadica keine Kastanienblüten, so wie in den Bergen, dafür Quitten, Kirschen und andere Obstblüten Die 5 ha Land sind seit vielen Jahren in Familienbesitz. Liridons Vater hat den Weg hinunter angelegt“, erzählt die Imkerin. 

Der vierte und letzter Bienenstand heißt Leska: Es war der ersten Standplatz der Familie Shala. Anfangs führte nur ein Gehweg hierher. Shiqipe zeigt ein Foto von einem Bienentransport mit Scheibtruhe. Und sie verrät des Geheimnis des Namens der Imkerei “Etniki”: Es ist Vorname ihres ältesten Sohnes. Und Liridon hat auch zu diesem Ort eine Bärengeschichte: Als er vor einiger Zeit mit dem Auto hierherkam, war ein Bär an der Arbeit und hatte bereits fünf Bienenvölker geplündert.

Er wählte seine Beute gut verteilt: einer vorne, zwei in der Mitte und zwei ganz hinten.  Und er ließ sich nur ungern bei der Arbeit stören und verließ  den Ort ganz langsam. So, als wolle er sagen: „Wer kommt denn da? Ich war vorher da“, erzählt er. Damit war der Zeitpunkt gekommen, alle Bienenstände mit einem Baustellengitter und zusätzlich mit einem Elektrozaun vor Bären zu sichern. 

Perückenstrauch kommt hier massenhaft vor“, sagt Liridon und zeigt uns eine Pflanze. „Er prägt auch den Geschmack des Honigs.“ 

Reinsortige Honige zu ernten sei in dieser Gegend jedoch unmöglich. Zu hoch sei die Artenvielfalt an Bienentrachtpflanzen.  Allerdings, so ist Liridon überzeugt, könne er die Honige seiner Standorte ganz deutlich unterscheiden.

Die anschließende Einladung ins Restaurant Qebaptore Te Vrrini in Prizren gerät zum kulinarischen Highlight unserer Kosovoreise. Wunderbare duftendes Brot, frisches Faschiertes und knackiges Gemüse. Nichts verrät die verborgenen Qualitäten dieses kleinen, garagenähnlichen Restaurants in unspektakulärer Lage. Auf die Frage: „Gehen Frauen mit Bienen anders um?“ antwortet Liridon als Erster: Er sagt, Shiqupe entdecke immer die jungen Königin, wenn sie ins Bienenvolk schaut. Auch wenn er sie nicht finden kann, sie finde die Königin immer. Wie sie es macht, weiß er nicht, vielleicht habe sie mehr Instinkt. Shiqipe vergleicht die Bienenarbeit mit der Mutterschaft. „Es ist dasselbe mit jungen Müttern, sie wissen viel mehr über ihre Neugeborenen. Es gibt nur eine Rolle für den Vater aber so viele Rollen für die Mutter“.  Sie ergänzt: „Vielleicht habe ich mehr Geduld und Feingefühl

Manchmal sage ich zu meinem Mann: Hörst du diese andersartigen Geräusche?  Irgendwas passiert hier gerade“. Er hat es nicht bemerkt, sie schon. Liridon erkenne die Details im Bienenvolk eher von außen, am Bienenflug. Dafür arbeite sie schneller und erkenne den Zustand innen.  Außerdem denke er bei der Bienenarbeit immer  an andere Dinge, etwa an den Hausbau und verliere den Fokus. „Ich hingegen bin voll bei der Sache“, sagt sie. „Manchmal höre ich Musik oder singe bei der Bienenarbeit. Aber ich bin immer voll dabei.“ 

Bezugsquelle für Honig aus dem Sharr Gebirge:

Bletaria Etnik
Shiqipe & Liridon Shala

Kushtrim/Billushe/Prizren
Tel. Shiquipe: +383 45 888 901
Tel. Liridon: +383 44 134 557 (spricht Italienisch)

Reisetipps:

Hotel Prizreni/Prizren
Qebaptore Te Vrrini/Prizren
Motel Karpa/Strpce