Nordmazedonien – Die Bienen in der Teufelsmauer
Nordmazedonien – Die Bienen in der Teufelsmauer
Eine Frau steigt in steiles, felsiges Gelände. Die Kamera schweift in das darunterliegende Umland: Steine und Geröllhalden, kleine grüne Inseln am weiten Horizont. Die Frau tastet sich vorsichtig einen schmalen Pfad entlang und erreicht eine bestimmte Stelle im Fels. Sie nimmt einen losen Felsbrocken weg, greift vorsichtig in einen Hohlraum und zieht eine Wabe voll mit Honig und Bienen hervor. Die Eröffnungsszene des Films Honeyland, gedreht 2017 in Nordmazedonien. Der Film wurde ein Riesenerfolg. Weltweit.
Unweit des Drehorts fließt die Bregalnica. Der Fluß entspringt als Waldquelle in den Maleševo Bergen, nahe der Grenze zu Bulgarien und durchfließt dann die fruchtbare Hochebene von Delčevo. Aufgestaut zum Lac Kalmanski dient sie zur Bewässerung der tieferliegenden Reisfelder. Nach der Staumauer verwandelt sich die Bregalnica in einen Schluchtenfluß und tritt bei Kočani mäandernd in die Ebene. Sie durchquert den gesamten Osten Mazedoniens und mündet bei der Ortschaft Gradsko in den Fluß Vardar und weiter ins Ägäische Meer.
Sämtliche Interneteinträge über die Region Bregalnica beschränken sich auf Umweltverschmutzung und ein furchtbares Gemetzel, das sich 1913 im Rahmen des zweiten Balkankrieges hier ereignet hat. Ein Bericht der lokalen NGO Bregalnica Nature Conservation Program weckt meine Neugier. Mit nachhaltiger Imkerei soll der gesamten Region ein neues Image verpasst werden und sanfter Tourismus Einzug halten. Grund genug für eine Reise.
Ich treffe drei Mitglieder des Vereins Medenistok – „Honig des Ostens“, die von der NGO Bregalnica- ncp unterstützt werden. Vanco, der Präsident, ist für die praktische Ausbildung der Imker zuständig. Er selbst bewirtschaftet etwa 100 Bienenvölker und übergibt einen großartigen Christusdornhonig als Geschenk: Rötlich-bernsteinfarben, zähflüssig, Duft nach Wildkarotte und Koriander, am Gaumen Aromen von Tonkabohne und Weidenrinde. Ich treffe auch Snezana, eine Imkerin aus den Hügeln um Dulica, mit der ich einen Bienenstand besuche und die mir ihre Eichenhonige vorstellt. Und ich spreche mit Marjan, mit 200 Bienenvölkern einer der größten Imker des Vereins und studierter Agrarökonom.
Marjan zeigt mir einen Artikel, den er im Jahr 2015 für ein mazedonisches Bienenjournal geschrieben hat und der jene, äußerst ungewöhnliche Art der Imkerei beschreibt, die auch im Film Honeyland gezeigt wird. Bienen in der Teufelsmauer lautet der Artikel. In einer 500 m langen und 12 m hohen Sandsteinmauer, die vor langer Zeit durch Bodenerosion entstanden ist, sind von Imkern hunderte Hohlräume, auf Mazedonisch brtve genannt, geschaffen und wieder mit einer Steinplatte zugemauert worden. Nur ein kleines Flugloch blieb frei. Alljährlich im Frühling wiederholt sich ein Naturschauspiel: Dutzende Bienenschwärme ziehen in die Hohlräume dieser Mauer, die von den Einheimischen Davoljed Zida – Teufelsmauer genannt wird. Woher die Schwärme kommen ist ein Rätsel. Das Gelände ist äußerst unzugänglich, der nächste Ort Bogoslovec etwa 10 km Luftlinie entfernt. Es gibt keine Bienenstände und nur wenig Futter für die Bienen an diesem Ort. Die unmittelbar an der Teufelsmauer vorbeifließende Bregalnica versorgt die Bienen mit Wasser. Sobald die Schwärme eingezogen sind, ernten Imker den Honig und bringen die Wildbienen in vorbereiteten Transportkisten zu ihren Bienenständen. Nordmazedonien ist ein Land zwischen Jugonostalgie und Aufbruch in eine europäische Zukunft.
Die heutige Republik existiert erst seit kurzem auf der europäischen Landkarte und umfasst nur einen Teil der historischen Region Mazedonien, nämlich das sogenannte Vardar-Mazedonien. Während des Niedergangs des Osmanischen Reiches am Ende des 19. Jhdt. setzte ein Wettlauf um den Besitz der von den Osmanen befreiten Gebiete ein. Er endete mit einer Aufteilung Mazedoniens auf die Nachbarländer. Hatten Griechen, Bulgaren und Serben im Jahre 1912, im ersten Balkankrieg noch gemeinsam gegen die Osmanen gekämpft, so stritten die Sieger bereits 1913, im zweiten Balkankrieg um die Beute. Pirin-Mazedonien mußte an Bulgarien abgetreten werden, ein weiterer Teil nämlich Ägäis-Mazedonien kam zu Griechenland. Das verbliebene Vardar-Mazedonien wurde dem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen zugesprochen und als „Südserbien“ bezeichnet. →
Griechenland und Bulgarien fürchten jedoch bis heute Gebietsansprüche von Seiten Mazedoniens. Und von daher rührt das große wechselseitige Misstrauen. Unter Tito erhielten die Mazedonier nach Jahrhunderten der Fremdherrschaft den Status einer eigenen Republik innerhalb der jugoslawischen Föderation. Mit dem Ende Jugoslawiens erklärte sich Mazedonien im November 1991, nach Abhaltung eines Referendums, für unabhängig. Die jugoslawische Armee zog, anders als in den übrigen ehemaligen Teilrepubliken, friedlich ab.
Vanco sieht in der Geschichte seines Landes eine Analogie zu Bienen: „Es ist wie bei einem schwachen Bienenstock. Sobald die Nachbarvölker seine Schwäche bemerken, wird er ausgeraubt“, erklärt der pensionierte Berufssoldat, der erst in der jugoslawischen Volksarmee und später im mazedonischen Militär gedient hatte. Der Imker erklärt die komplexe geopolitische Gemengelage der Region sehr anschaulich: Für Sofia seien die Mazedonier Bulgaren und die mazedonische Sprache lediglich ein bulgarischer Dialekt. Für die Serben seien die Mazedonier Serben und die Griechen bezeichnen die Mazedonier als „Kontinentale“, die nur durch einen „historischen Irrtum„ eine slawische Sprache hätten. Und die albanische Minderheit des Landes wolle ohnehin den Anschluss an Albanien. Die Bindung an Sprache und Ethnie sind in der gesamten Balkanregion traditionellerweise stärker als die Loyalität zum Nationalstaat.
Der Zufall des Weges hatte mich nach Budinarci geführt. Der Ort wird seiner touristischen Selbstbeschreibung als „eines der rustikalsten Dörfer des Balkans aus dem 18. Jahrhundert“ durchaus gerecht. Die Vielfalt und die Gleichzeitigkeit des bäuerlichen Lebens hier sind faszinierend. Alles geschieht im Freien. Auf kleinen Öfen wird Paprika für die Ajvarproduktion gegrillt, Erdäpfel ge-waschen und Kürbisse entkernt. Ein Bauer reinigt Saatgut mit Hilfe eines Ventilators. Zwei Ziegen leisten ihm Gesellschaft. Nahezu jeder hier scheint einer landwirtschaftlichen Tätigkeit nachzugehen. Das unverputzte Wirtshaus ist zugleich der einzige Laden des Dorfes. Drei Tische, kaputte Plastiksessel und Bierkisten dienen als Sitzgelegenheit. Nicht eine Geste des Fremden entgeht der kollektiven Aufmerksamkeit.
Der Fahrer eines vorsintflutlichen Lkw’s verkauft Gemüse. Reger Andrang herrscht vor seiner Laderampe. Eine Kuh wird durch das Dorf getrieben, später ein Esel, danach noch eine Schafherde. Das häufigste Geräusch stammt von alten Traktoren mit Startschwierigkeiten. Noch ältere Traktoren stehen im Ausgedinge in den Vorgärten. Halbkreisförmig, wie prächtige Colliers, hängen knallrote Pfefferoni auf Scheunenwänden, umrahmt von Tabakgirlanden. Daneben Zöpfe von Zwiebeln und Knoblauch. Balkone dienen zur Lagerung von Kürbissen. Das Ufer der Bregalnica, die das Dorf halbkreisförmig umfließt, säumen Gemüsegärten, kleine Felder und Unmengen von Müll.
Nach der Unabhängigkeit Mazedoniens blieb ein jahrelanger Namensstreit einerseits mit dem Nachbarland Bulgarien, das zwar die Unabhängigkeit anerkannte, aber keine eigene mazedonische Sprache und Nation. Andererseits mit Griechenland, das den Staatsnamen mit der Begründung ablehnte, er impliziere Ansprüche auf den gleichnamigen Norden Griechenlands. Seit 2019 heißt das Land nun offiziell Nordmazedonien.
Unberührt vom Namensstreit blieb die Makedonische Honigbiene, lat. Apis mellifera macedonica. Das natürliche Verbreitungsgebiet dieser regionalen Bienenrasse umfasst die gesamte historische Region Makedonien und erstreckt sich weit darüber hinaus. Es reicht von der Adria über das Schwarze Meer und weiter bis in die Ukraine. Nahezu alle Imker in Bregalnica arbeiten mit der Makedonica. Sie ist kleiner und vor allem schlanker als die weiter nördlich auf der Balkanhalbinsel verbreitete Apis mellifera carnica, gehört jedoch ebenso wie diese zu den „grauen“ Bienen. Sie gilt als sehr sanft und hat eine geringe Schwarmneigung trotz relativ starker Völker. Im Spätsommer bildet sie nur noch wenig Brut, legt viel Futtervorrat an und überwintert in großen Kolonien. „Unsere Bienen sind wir unsere Frauen“, sagt Vanco: „Sie schaffen es, aus wenig viel zu machen.“ ↓
Eine Frau steigt in steiles, felsiges Gelände. Die Kamera schweift in das darunterliegende Umland: Steine und Geröllhalden, kleine grüne Inseln am weiten Horizont. Die Frau tastet sich vorsichtig einen schmalen Pfad entlang und erreicht eine bestimmte Stelle im Fels. Sie nimmt einen losen Felsbrocken weg, greift vorsichtig in einen Hohlraum und zieht eine Wabe voll mit Honig und Bienen hervor. Die Eröffnungsszene des Films Honeyland, gedreht 2017 in Nordmazedonien. Der Film wurde ein Riesenerfolg. Weltweit.
Unweit des Drehorts fließt die Bregalnica. Der Fluß entspringt als Waldquelle in den Maleševo Bergen, nahe der Grenze zu Bulgarien und durchfließt dann die fruchtbare Hochebene von Delčevo. Aufgestaut zum Lac Kalmanski dient sie zur Bewässerung der tieferliegenden Reisfelder. Nach der Staumauer verwandelt sich die Bregalnica in einen Schluchtenfluß und tritt bei Kočani mäandernd in die Ebene. Sie durchquert den gesamten Osten Mazedoniens und mündet bei der Ortschaft Gradsko in den Fluß Vardar und weiter ins Ägäische Meer.
Sämtliche Interneteinträge über die Region Bregalnica beschränken sich auf Umweltverschmutzung und ein furchtbares Gemetzel, das sich 1913 im Rahmen des zweiten Balkankrieges hier ereignet hat. Ein Bericht der lokalen NGO Bregalnica Nature Conservation Program weckt meine Neugier. Mit nachhaltiger Imkerei soll der gesamten Region ein neues Image verpasst werden und sanfter Tourismus Einzug halten. Grund genug für eine Reise.
Ich treffe drei Mitglieder des Vereins Medenistok – „Honig des Ostens“, die von der NGO Bregalnica- ncp unterstützt werden. Vanco, der Präsident, ist für die praktische Ausbildung der Imker zuständig. Er selbst bewirtschaftet etwa 100 Bienenvölker und übergibt einen großartigen Christusdornhonig als Geschenk: Rötlich-bernsteinfarben, zähflüssig, Duft nach Wildkarotte und Koriander, am Gaumen Aromen von Tonkabohne und Weidenrinde. Ich treffe auch Snezana, eine Imkerin aus den Hügeln um Dulica, mit der ich einen Bienenstand besuche und die mir ihre Eichenhonige vorstellt. Und ich spreche mit Marjan, mit 200 Bienenvölkern einer der größten Imker des Vereins und studierter Agrarökonom.
Marjan zeigt mir einen Artikel, den er im Jahr 2015 für ein mazedonisches Bienenjournal geschrieben hat und der jene, äußerst ungewöhnliche Art der Imkerei beschreibt, die auch im Film Honeyland gezeigt wird. Bienen in der Teufelsmauer lautet der Artikel. In einer 500 m langen und 12 m hohen Sandsteinmauer, die vor langer Zeit durch Bodenerosion entstanden ist, sind von Imkern hunderte Hohlräume, auf Mazedonisch brtve genannt, geschaffen und wieder mit einer Steinplatte zugemauert worden. Nur ein kleines Flugloch blieb frei. Alljährlich im Frühling wiederholt sich ein Naturschauspiel: Dutzende Bienenschwärme ziehen in die Hohlräume dieser Mauer, die von den Einheimischen Davoljed Zida – Teufelsmauer genannt wird. Woher die Schwärme kommen ist ein Rätsel. Das Gelände ist äußerst unzugänglich, der nächste Ort Bogoslovec etwa 10 km Luftlinie entfernt. Es gibt keine Bienenstände und nur wenig Futter für die Bienen an diesem Ort. Die unmittelbar an der Teufelsmauer vorbeifließende Bregalnica versorgt die Bienen mit Wasser. Sobald die Schwärme eingezogen sind, ernten Imker den Honig und bringen die Wildbienen in vorbereiteten Transportkisten zu ihren Bienenständen. Nordmazedonien ist ein Land zwischen Jugonostalgie und Aufbruch in eine europäische Zukunft.
Die heutige Republik existiert erst seit kurzem auf der europäischen Landkarte und umfasst nur einen Teil der historischen Region Mazedonien, nämlich das sogenannte Vardar-Mazedonien. Während des Niedergangs des Osmanischen Reiches am Ende des 19. Jhdt. setzte ein Wettlauf um den Besitz der von den Osmanen befreiten Gebiete ein. Er endete mit einer Aufteilung Mazedoniens auf die Nachbarländer. Hatten Griechen, Bulgaren und Serben im Jahre 1912, im ersten Balkankrieg noch gemeinsam gegen die Osmanen gekämpft, so stritten die Sieger bereits 1913, im zweiten Balkankrieg um die Beute. Pirin-Mazedonien mußte an Bulgarien abgetreten werden, ein weiterer Teil nämlich Ägäis-Mazedonien kam zu Griechenland. Das verbliebene Vardar-Mazedonien wurde dem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen zugesprochen und als „Südserbien“ bezeichnet. →
Griechenland und Bulgarien fürchten jedoch bis heute Gebietsansprüche von Seiten Mazedoniens. Und von daher rührt das große wechselseitige Misstrauen. Unter Tito erhielten die Mazedonier nach Jahrhunderten der Fremdherrschaft den Status einer eigenen Republik innerhalb der jugoslawischen Föderation. Mit dem Ende Jugoslawiens erklärte sich Mazedonien im November 1991, nach Abhaltung eines Referendums, für unabhängig. Die jugoslawische Armee zog, anders als in den übrigen ehemaligen Teilrepubliken, friedlich ab.
Vanco sieht in der Geschichte seines Landes eine Analogie zu Bienen: „Es ist wie bei einem schwachen Bienenstock. Sobald die Nachbarvölker seine Schwäche bemerken, wird er ausgeraubt“, erklärt der pensionierte Berufssoldat, der erst in der jugoslawischen Volksarmee und später im mazedonischen Militär gedient hatte. Der Imker erklärt die komplexe geopolitische Gemengelage der Region sehr anschaulich: Für Sofia seien die Mazedonier Bulgaren und die mazedonische Sprache lediglich ein bulgarischer Dialekt. Für die Serben seien die Mazedonier Serben und die Griechen bezeichnen die Mazedonier als „Kontinentale“, die nur durch einen „historischen Irrtum„ eine slawische Sprache hätten. Und die albanische Minderheit des Landes wolle ohnehin den Anschluss an Albanien. Die Bindung an Sprache und Ethnie sind in der gesamten Balkanregion traditionellerweise stärker als die Loyalität zum Nationalstaat.
Der Zufall des Weges hatte mich nach Budinarci geführt. Der Ort wird seiner touristischen Selbstbeschreibung als „eines der rustikalsten Dörfer des Balkans aus dem 18. Jahrhundert“ durchaus gerecht. Die Vielfalt und die Gleichzeitigkeit des bäuerlichen Lebens hier sind faszinierend. Alles geschieht im Freien. Auf kleinen Öfen wird Paprika für die Ajvarproduktion gegrillt, Erdäpfel ge-waschen und Kürbisse entkernt. Ein Bauer reinigt Saatgut mit Hilfe eines Ventilators. Zwei Ziegen leisten ihm Gesellschaft. Nahezu jeder hier scheint einer landwirtschaftlichen Tätigkeit nachzugehen. Das unverputzte Wirtshaus ist zugleich der einzige Laden des Dorfes. Drei Tische, kaputte Plastiksessel und Bierkisten dienen als Sitzgelegenheit. Nicht eine Geste des Fremden entgeht der kollektiven Aufmerksamkeit.
Der Fahrer eines vorsintflutlichen Lkw’s verkauft Gemüse. Reger Andrang herrscht vor seiner Laderampe. Eine Kuh wird durch das Dorf getrieben, später ein Esel, danach noch eine Schafherde. Das häufigste Geräusch stammt von alten Traktoren mit Startschwierigkeiten. Noch ältere Traktoren stehen im Ausgedinge in den Vorgärten. Halbkreisförmig, wie prächtige Colliers, hängen knallrote Pfefferoni auf Scheunenwänden, umrahmt von Tabakgirlanden. Daneben Zöpfe von Zwiebeln und Knoblauch. Balkone dienen zur Lagerung von Kürbissen. Das Ufer der Bregalnica, die das Dorf halbkreisförmig umfließt, säumen Gemüsegärten, kleine Felder und Unmengen von Müll.
Nach der Unabhängigkeit Mazedoniens blieb ein jahrelanger Namensstreit einerseits mit dem Nachbarland Bulgarien, das zwar die Unabhängigkeit anerkannte, aber keine eigene mazedonische Sprache und Nation. Andererseits mit Griechenland, das den Staatsnamen mit der Begründung ablehnte, er impliziere Ansprüche auf den gleichnamigen Norden Griechenlands. Seit 2019 heißt das Land nun offiziell Nordmazedonien.
Unberührt vom Namensstreit blieb die Makedonische Honigbiene, lat. Apis mellifera macedonica. Das natürliche Verbreitungsgebiet dieser regionalen Bienenrasse umfasst die gesamte historische Region Makedonien und erstreckt sich weit darüber hinaus. Es reicht von der Adria über das Schwarze Meer und weiter bis in die Ukraine. Nahezu alle Imker in Bregalnica arbeiten mit der Makedonica. Sie ist kleiner und vor allem schlanker als die weiter nördlich auf der Balkanhalbinsel verbreitete Apis mellifera carnica, gehört jedoch ebenso wie diese zu den „grauen“ Bienen. Sie gilt als sehr sanft und hat eine geringe Schwarmneigung trotz relativ starker Völker. Im Spätsommer bildet sie nur noch wenig Brut, legt viel Futtervorrat an und überwintert in großen Kolonien. „Unsere Bienen sind wir unsere Frauen“, sagt Vanco: „Sie schaffen es, aus wenig viel zu machen.“ ↓
Auf dem Weg zur Imkerin Snezana finde ich die besten Zwetschken meines Lebens am Rande der Straße. Nach der Sommerhitze haben die starken Regenfälle der letzten Tage eine Vielzahl an Blüten aus der Erde gelockt darunter Eselsdistel, Wegwarte und Königskerze. Dulica ist eine reizvolle Streusiedlung auf einer Hügellandschaft hoch über dem Flusstal. Die Höfe sind in Gruppen angeordnet, kleine Straßen überziehen labyrinthartig die Hügelketten, verschwinden in Gräben um sich dann wieder zu treffen. Es ist schwer hier die Orientierung nicht zu verlieren. Eichen, Pinien und Akazien in den Wäldern, dazwischen Obstgärten und Weiden.
Snezana ist eine schlanke, sehr sportliche Frau um die 40 mit viel Energie. Den ersten Bienenschwarm hat sie als Kind von einem Nachbarn erhalten, als Geschenk für ihre Mithilfe bei den Schafen. Das nicht ganz kindergerechte Geschenk ging allerdings bald verloren: Der Schwarm suchte das Weite. Mit 13 Jahren starb der Vater. Kühe und Schafe wurden verkauft. Die Familie verließ ihren Geburtsort Dulica und zog in die nahegelegene Kleinstadt Makedonska Kamenica, wo Snezana heute noch wohnt.
Wie viele hier hat Snezana mehrere Jobs um sich über Wasser zu halten. Als Sportlehrerin an einer Grundschule verdient sie 400 Euro monatlich. Nebenbei arbeitet sie als Physiotherapeutin und Imkerin. Da sie kein Auto besitzt, erledigt sie fast alles mit dem Fahrrad. Sie zeigt ein Foto: Ein lila Fahrrad mit einem Anhänger voll Bienenmaterial.
Für eine zarte Person wie sie mit 50 kg sei es sehr schwer mit Bienen zu arbeiten. Männer sind physisch stärker, aber sie mache trotzdem fast alles allein, nur beim Transport und beim Honigschleudern hole sie sich Hilfe. „Wir sind vier Frauen im Verein Medenistok. Wir halten engen Kontakt und helfen uns mit Ratschlägen“, erzählt sie.
Bregalnica ist eine Region mit kontinentalem Klima. Die Winter können sehr kalt sein. Und im Sommer 2021 stieg das Thermometer an insgesamt 45 Sommertagen über 40° C. Der diesjährige Sommer wiederum war völlig verregnet. Diese Wetterkapriolen haben auch Auswirkungen auf die Honigernte. „Ich mag den dunklen Honig mit hohem Eichenanteil wie im letzten Jahr“, sagt Snezana. „Hier in den Hügeln ist er besonders intensiv. Den hellen Honig, den wir heuer wegen des Regens hatten, mag ich nicht.“ →
Am liebsten habe sie Eichenhonig mit Zitrone und mit Walnüssen. Das Ziel der Imkerin: Die Bienenverluste des letzten Winters auszugleichen und bis zum Herbst wieder 60 Völker zu haben. Und ihr Traum: Irgendwann in der Nähe ihres Bienenstandes ein Wochenendhaus zu errichten.
Die Dachmarke Medenistok exisitiert seit November 2021. Der Verein kümmert sich um die Ausbildung der ImkerInnen und unterstützt auch die Vermarktung des Honigs. Die Mitglieder verwenden einheitliche Gläser und Etiketten. Nur das runde Deckeletikett trägt den Namen des Imkers/der Imkerin. Und Medenistok betreibt eine ehrgeizige Genderpolitik: Vier aktive Imkerinnen sind bereits im Verein als Vollmitglieder. Geplant ist ein ImkerInnenanteil von 30 %.
„Honeyland“ habe die mazedonische Imkerei verändert, ist Vanco überzeugt. Die zentrale Botschaft
der Hauptdarstellerin „take half but leave half“ ging um die Welt. „Wir Imker haben diese Botschaft sehr gut verstanden“, sagt er.
Kann es also gelingen eine wirtschaftliche benachteiligte Region mit Hilfe von Honig neu zu positionieren? Die mazedonische NGO Bregalnica-ncp ist gemeinsam mit den Imkern des Vereins Medenistok auf dem besten Wege dahin. Es ist eine von vielen kleinen Initiativen die das Leben für die Bewohner der Region langsam aber nachhaltig verbessern. ♦
Bezugsquelle Honig:
Snežana Ilievska, Vanco Kirosvski, Marjan Arsov
www.medenistok.mk
Reisetipps:
Hotel Manastir/Berovo
Eurohotel Gradche/Kochani
Ausgrabungsstätte Bargala
Davoljeg Zida – Die Teufelsmauer
Restaurant Savaro/Kalimanci
Auf dem Weg zur Imkerin Snezana finde ich die besten Zwetschken meines Lebens am Rande der Straße. Nach der Sommerhitze haben die starken Regenfälle der letzten Tage eine Vielzahl an Blüten aus der Erde gelockt darunter Eselsdistel, Wegwarte und Königskerze. Dulica ist eine reizvolle Streusiedlung auf einer Hügellandschaft hoch über dem Flusstal. Die Höfe sind in Gruppen angeordnet, kleine Straßen überziehen labyrinthartig die Hügelketten, verschwinden in Gräben um sich dann wieder zu treffen. Es ist schwer hier die Orientierung nicht zu verlieren. Eichen, Pinien und Akazien in den Wäldern, dazwischen Obstgärten und Weiden.
Snezana ist eine schlanke, sehr sportliche Frau um die 40 mit viel Energie. Den ersten Bienenschwarm hat sie als Kind von einem Nachbarn erhalten, als Geschenk für ihre Mithilfe bei den Schafen. Das nicht ganz kindergerechte Geschenk ging allerdings bald verloren: Der Schwarm suchte das Weite. Mit 13 Jahren starb der Vater. Kühe und Schafe wurden verkauft. Die Familie verließ ihren Geburtsort Dulica und zog in die nahegelegene Kleinstadt Makedonska Kamenica, wo Snezana heute noch wohnt.
Wie viele hier hat Snezana mehrere Jobs um sich über Wasser zu halten. Als Sportlehrerin an einer Grundschule verdient sie 400 Euro monatlich. Nebenbei arbeitet sie als Physiotherapeutin und Imkerin. Da sie kein Auto besitzt, erledigt sie fast alles mit dem Fahrrad. Sie zeigt ein Foto: Ein lila Fahrrad mit einem Anhänger voll Bienenmaterial.
Für eine zarte Person wie sie mit 50 kg sei es sehr schwer mit Bienen zu arbeiten. Männer sind physisch stärker, aber sie mache trotzdem fast alles allein, nur beim Transport und beim Honigschleudern hole sie sich Hilfe. „Wir sind vier Frauen im Verein Medenistok. Wir halten engen Kontakt und helfen uns mit Ratschlägen“, erzählt sie.
Bregalnica ist eine Region mit kontinentalem Klima. Die Winter können sehr kalt sein. Und im Sommer 2021 stieg das Thermometer an insgesamt 45 Sommertagen über 40° C. Der diesjährige Sommer wiederum war völlig verregnet. Diese Wetterkapriolen haben auch Auswirkungen auf die Honigernte. „Ich mag den dunklen Honig mit hohem Eichenanteil wie im letzten Jahr“, sagt Snezana. „Hier in den Hügeln ist er besonders intensiv. Den hellen Honig, den wir heuer wegen des Regens hatten, mag ich nicht.“ →
Am liebsten habe sie Eichenhonig mit Zitrone und mit Walnüssen. Das Ziel der Imkerin: Die Bienenverluste des letzten Winters auszugleichen und bis zum Herbst wieder 60 Völker zu haben. Und ihr Traum: Irgendwann in der Nähe ihres Bienenstandes ein Wochenendhaus zu errichten.
Die Dachmarke Medenistok exisitiert seit November 2021. Der Verein kümmert sich um die Ausbildung der ImkerInnen und unterstützt auch die Vermarktung des Honigs. Die Mitglieder verwenden einheitliche Gläser und Etiketten. Nur das runde Deckeletikett trägt den Namen des Imkers/der Imkerin. Und Medenistok betreibt eine ehrgeizige Genderpolitik: Vier aktive Imkerinnen sind bereits im Verein als Vollmitglieder. Geplant ist ein ImkerInnenanteil von 30 %.
„Honeyland“ habe die mazedonische Imkerei verändert, ist Vanco überzeugt. Die zentrale Botschaft
der Hauptdarstellerin „take half but leave half“ ging um die Welt. „Wir Imker haben diese Botschaft sehr gut verstanden“, sagt er.
Kann es also gelingen eine wirtschaftliche benachteiligte Region mit Hilfe von Honig neu zu positionieren? Die mazedonische NGO Bregalnica-ncp ist gemeinsam mit den Imkern des Vereins Medenistok auf dem besten Wege dahin. Es ist eine von vielen kleinen Initiativen die das Leben für die Bewohner der Region langsam aber nachhaltig verbessern. ♦
Bezugsquelle Honig:
Snežana Ilievska, Vanco Kirosvski, Marjan Arsov
www.medenistok.mk
Reisetipps:
Hotel Manastir/Berovo
Eurohotel Gradche/Kochani
Ausgrabungsstätte Bargala
Davoljeg Zida – Die Teufelsmauer
Restaurant Savaro/Kalimanci