Kroatien – Der Honig von der Insel

Kroatien – Der Honig von der Insel

Die riesige Fähre scheint auf uns gewartet zu haben. Unmittelbar nachdem wir die stählerne Rampe überfahren haben, legt sie ab. Ein sanftes Wendemanöver, das Schiff dreht in Fahrtrichtung, dann nur noch ein kaum wahrnehmbares Schaukeln. Die kroatische Küste mit dem mächtigen Velebitgebirge entfernt sich, Windböen kommen auf. Bereits nach 20 Minuten erreichen wir unser Ziel. Die Klappe öffnet sich, eine zweispurige Flut von Autos und Lastwagen ergießt sich auf die Insel.

Die Anfänge des Tourismus auf der kroatischen Ferieninsel Rab reichen weit zurück. In einem Brief vom 23. April 1889 an den Raber Bürgermeister schlugen zwei begeisterte Gäste aus Österreich vor, alles zu unternehmen, um Fremde auf der Insel aufnehmen zu können. In einer Gemeinderatssitzung noch im selben Jahr, erfolgte der Beschluss, einen Promenadenweg entlang der Raber Bucht anzulegen. Die ersten Besucher aus allen Großstädten Europas logierten in der Regel zwei Monate auf der Insel, jeder hatte sein eigenes Bootsservice. Das große Stadtpalais wurde in ein Grandhotel umge-baut und aus dem alten Rathaus wurde ein Cafe-Restaurant. Das Hotel „Bristol“ unterhielt eine eigene Segelbootflotte mit denen die Gäste zum Baden in die Buchten gebracht wurden. Später, in den 30-iger Jahren des 20. Jahrhunderts, verband sogar eine eigene Wasserfluglinie die kroatische Küstenstadt Rijeka mit Rab.

Weithin sichtbar und mit exakter Entfernungsangabe verweist eines der ersten Schilder auf den Bioladen „Natura Rab“. Alle Besucher der Insel bekommen es zu Gesicht, kurz nachdem sie die Fähre verlassen haben. Das Schild verspricht ein Einkaufserlebnis mit Bio-Produkten der Insel. Dušan Kaštelan, der Seniorchef des Familienunternehmens hatte in seiner Jugend Marketing studiert. Er weiß, wie man Kunden in den Laden lockt.

Das landwirtschaftliche Erbe der Familie Kaštelan auf der Insel Rab reicht vier Generationen zurück.

Urgroßvater Josip Kaštelan versorgte schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Hotels der Insel mit Rotwein. Sohn Josip II (Jojo) war Seemann und kam erst im Ruhestand nach Rab zurück. Er beschäftige sich mit Olivenanbau und Bienenzucht und  übergab das Familienszepter an seinen Sohn Dušan. Dieser hatte in jungen Jahren eine IT-Firma in Rijeka und kehrte aber im Jahr 2000 gemeinsam mit seiner Frau Marijana und seinen beiden Söhnen Matija und Pavao auf die Insel zurück. Mit großen Mühen und hohen Investitionen baute er den Betrieb auf. 2020 übergab er an seinen Sohn Matija, der ökologische Landwirtschaft in Maribor studiert hatte. Eine Imkerei mit etwa 100 Bienenstöcken, Olivenplantagen und der Anbau und die Verarbeitung von Heilkräutern bilden heute die wirtschaftlichen Fundamente von Natura Rab.

Neben Olivenöl und Feigenmarmelade verkauft die Familie vier verschiedene Honige im Laden. Der Wertvollste, das flüssige Gold der Insel  sei der Salbeihonig, erzählt Matija. Daneben ernten die Kaštelans aufgrund der großen Artenvielfalt an Bienentrachtpflanzen einen Küsten- und einen Heilkräuterhonig mit Anteilen von Strohblume, Christusdorn, Rosmarin, Lavendel, Bohnenkraut, Heidekraut und Quendel. Da das Nahrungsangebot auf der Insel für die Bienen nach der Salbeiblüte erschöpft ist, verbringen die Bienen den Sommer im Waldgebiet des Lika, einem Hochplateau auf dem Festland auf etwa 1.000 m Seehöhe. Von dort stammt auch der dunkle Waldhonig. →

Matija erzählt von einer großen Salbeihonigernte im Jahr 2008. Über drei Tonnen seien es damals gewesen, von nur 103 Bienenvölkern. „Die Gegend um die Anlegestelle der Fähre war ein lila Blütenmeer. Hätte ich das heute, wäre ich überglücklich“, ergänzt er. Doch die zunehmende Sommerhitze und auch die vielen Schafe, die mangels Futter auch Salbeipflanzen fressen, hätten die Bestände stark reduziert. Ganz nach dem Spruch seinen Vaters Dušan: „Lieber Gott, gib uns weniger Honig, aber besseren!“ sei Salbeihonig mittlerweile fast zu wertvoll, um ihn pur zu verkaufen. Deswegen produziert die Familie auch Veredelungsprodukte wie Öle, Cremes und Seifen auf Basis von Honig und Heilkräutern, die unter der Marka „Arba Immunprodukte“ auf den Markt gelangen.

Die Villa Seka war das ehemalige Wohnhaus der Großeltern. Seit 2017 werden Ferienwohnungen im direkt am Meer gelegenen Haus mit Pool an Gäste vermietet. Die Ausstattung der Pension lässt keine Wünsche offen. Abends herrscht völlige Stille am Barbatska Kanal, unterbrochen lediglich von vereinzeltem Hundegebell, Flugzeuglärm, Plätschern des Meeres und  Lockrufen von Nachtvögeln vom gegenüberliegenden Ufer der unbewohnten Insel Dolin.

Doch auch die Schattenseiten des Tourismus auf der Insel zeigen sich rasch. 

Eine wahre Bauwut hat vor allem die Region um den Ort Barbat erfasst. Der Siedlungsbau frisst sich immer weiter in die Landschaft. Einige Luxusvillen, von denen niemand genau weiß, wie sie an Baugenehmigungen kamen, stehen fertig im Gelände. In anderen Parzellen arbeiten sich Bagger durch das felsige Terrain. Die meisten dieser Gebäude werden im Sommer als Luxusresidenzen vermietet. Die Immobilienpreise schnellten in astronomische Höhen. Mit der zunehmenden Tourismuswirtschaft verloren alle anderen Wirtschaftszweige an Bedeutung. Landwirtschaft wird fast nur noch zur Selbstversorgung betrieben. Das Lebensmittelregal im Supermarkt der mediterranen Insel gleicht einem globalisierten Basar. Orangen aus Ägypten, Äpfel aus der Türkei, Karotten aus Österreich, immerhin die Gurken stammen aus Kroatien. Das Angebot an Käse und Oliven ist traurig. Dušans Sohn Matija klagt über „overtourism“. Eine richtige Balance sei aber schwer zu finden.

In der Vorsaison Mitte April haben nur wenige Restaurants geöffnet. Wir finden die Gostiona Luna, ein solides und günstiges Gasthaus, das überwiegend von Handwerkern frequentiert wird. Die kleine Speisekarte in kroatischer Sprache wird von der resoluten Wirtin mühelos ins Deutsche übersetzt. Nebenbei managt sie noch die wenigen Parkplätze vor dem Gasthaus, das direkt an der Hauptstraße liegt und völlig mit Lieferwägen verparkt ist. Für die Baubrache ist die Vorsaison die Hochsaison.

Der Dresscode der jüngeren Generation der Werktätigen ist die Marke Werkstoff. Limonade und Mobiltelefon finden sich auf allen Tischen. Camouflage und eine halbe Rotwein zum Mittagstisch ist eher das Auslaufmodell von älteren Handwerkern. Rauchen tun sie alle.

Das kulinarische Highlight der Reise erleben wir tags darauf auf Empfehlung von Matija Kaštelan:  Eine gegrillte Goldbrasse im schicken Restaurant Velum, etwas außerhalb der Altstadt von Rab. Der Fisch stammt aus lokalem Fang und wird – wie in Kroatien üblich –  mit Kartoffeln und Mangold serviert. ↓

Die riesige Fähre scheint auf uns gewartet zu haben. Unmittelbar nachdem wir die stählerne Rampe überfahren haben, legt sie ab. Ein sanftes Wendemanöver, das Schiff dreht in Fahrtrichtung, dann nur noch ein kaum wahrnehmbares Schaukeln. Die kroatische Küste mit dem mächtigen Velebitgebirge entfernt sich, Windböen kommen auf. Bereits nach 20 Minuten erreichen wir unser Ziel. Die Klappe öffnet sich, eine zweispurige Flut von Autos und Lastwagen ergießt sich auf die Insel.

Die Anfänge des Tourismus auf der kroatischen Ferieninsel Rab reichen weit zurück. In einem Brief vom 23. April 1889 an den Raber Bürgermeister schlugen zwei begeisterte Gäste aus Österreich vor, alles zu unternehmen, um Fremde auf der Insel aufnehmen zu können. In einer Gemeinderatssitzung noch im selben Jahr, erfolgte der Beschluss, einen Promenadenweg entlang der Raber Bucht anzulegen. Die ersten Besucher aus allen Großstädten Europas logierten in der Regel zwei Monate auf der Insel, jeder hatte sein eigenes Bootsservice. Das große Stadtpalais wurde in ein Grandhotel umge-baut und aus dem alten Rathaus wurde ein Cafe-Restaurant. Das Hotel „Bristol“ unterhielt eine eigene Segelbootflotte mit denen die Gäste zum Baden in die Buchten gebracht wurden. Später, in den 30-iger Jahren des 20. Jahrhunderts, verband sogar eine eigene Wasserfluglinie die kroatische Küstenstadt Rijeka mit Rab.

Weithin sichtbar und mit exakter Entfernungsangabe verweist eines der ersten Schilder auf den Bioladen „Natura Rab“. Alle Besucher der Insel bekommen es zu Gesicht, kurz nachdem sie die Fähre verlassen haben. Das Schild verspricht ein Einkaufserlebnis mit Bio-Produkten der Insel. Dušan Kaštelan, der Seniorchef des Familienunternehmens hatte in seiner Jugend Marketing studiert. Er weiß, wie man Kunden in den Laden lockt.

Das landwirtschaftliche Erbe der Familie Kaštelan auf der Insel Rab reicht vier Generationen zurück.

Urgroßvater Josip Kaštelan versorgte schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Hotels der Insel mit Rotwein. Sohn Josip II (Jojo) war Seemann und kam erst im Ruhestand nach Rab zurück. Er beschäftige sich mit Olivenanbau und Bienenzucht und  übergab das Familienszepter an seinen Sohn Dušan. Dieser hatte in jungen Jahren eine IT-Firma in Rijeka und kehrte aber im Jahr 2000 gemeinsam mit seiner Frau Marijana und seinen beiden Söhnen Matija und Pavao auf die Insel zurück. Mit großen Mühen und hohen Investitionen baute er den Betrieb auf. 2020 übergab er an seinen Sohn Matija, der ökologische Landwirtschaft in Maribor studiert hatte. Eine Imkerei mit etwa 100 Bienenstöcken, Olivenplantagen und der Anbau und die Verarbeitung von Heilkräutern bilden heute die wirtschaftlichen Fundamente von Natura Rab.

Neben Olivenöl und Feigenmarmelade verkauft die Familie vier verschiedene Honige im Laden. Der Wertvollste, das flüssige Gold der Insel  sei der Salbeihonig, erzählt Matija. Daneben ernten die Kaštelans aufgrund der großen Artenvielfalt an Bienentrachtpflanzen einen Küsten- und einen Heilkräuterhonig mit Anteilen von Strohblume, Christusdorn, Rosmarin, Lavendel, Bohnenkraut, Heidekraut und Quendel. Da das Nahrungsangebot auf der Insel für die Bienen nach der Salbeiblüte erschöpft ist, verbringen die Bienen den Sommer im Waldgebiet des Lika, einem Hochplateau auf dem Festland auf etwa 1.000 m Seehöhe. Von dort stammt auch der dunkle Waldhonig. →

Matija erzählt von einer großen Salbeihonigernte im Jahr 2008. Über drei Tonnen seien es damals gewesen, von nur 103 Bienenvölkern. „Die Gegend um die Anlegestelle der Fähre war ein lila Blütenmeer. Hätte ich das heute, wäre ich überglücklich“, ergänzt er. Doch die zunehmende Sommerhitze und auch die vielen Schafe, die mangels Futter auch Salbeipflanzen fressen, hätten die Bestände stark reduziert. Ganz nach dem Spruch seinen Vaters Dušan: „Lieber Gott, gib uns weniger Honig, aber besseren!“ sei Salbeihonig mittlerweile fast zu wertvoll, um ihn pur zu verkaufen. Deswegen produziert die Familie auch Veredelungsprodukte wie Öle, Cremes und Seifen auf Basis von Honig und Heilkräutern, die unter der Marka „Arba Immunprodukte“ auf den Markt gelangen.

Die Villa Seka war das ehemalige Wohnhaus der Großeltern. Seit 2017 werden Ferienwohnungen im direkt am Meer gelegenen Haus mit Pool an Gäste vermietet. Die Ausstattung der Pension lässt keine Wünsche offen. Abends herrscht völlige Stille am Barbatska Kanal, unterbrochen lediglich von vereinzeltem Hundegebell, Flugzeuglärm, Plätschern des Meeres und  Lockrufen von Nachtvögeln vom gegenüberliegenden Ufer der unbewohnten Insel Dolin.

Doch auch die Schattenseiten des Tourismus auf der Insel zeigen sich rasch.

Eine wahre Bauwut hat vor allem die Region um den Ort Barbat erfasst. Der Siedlungsbau frisst sich immer weiter in die Landschaft. Einige Luxusvillen, von denen niemand genau weiß, wie sie an Baugenehmigungen kamen, stehen fertig im Gelände. In anderen Parzellen arbeiten sich Bagger durch das felsige Terrain. Die meisten dieser Gebäude werden im Sommer als Luxusresidenzen vermietet. Die Immobilienpreise schnellten in astronomische Höhen. Mit der zunehmenden Tourismuswirtschaft verloren alle anderen Wirtschaftszweige an Bedeutung. Landwirtschaft wird fast nur noch zur Selbstversorgung betrieben. Das Lebensmittelregal im Supermarkt der mediterranen Insel gleicht einem globalisierten Basar. Orangen aus Ägypten, Äpfel aus der Türkei, Karotten aus Österreich, immerhin die Gurken stammen aus Kroatien. Das Angebot an Käse und Oliven ist traurig. Dušans Sohn Matija klagt über „overtourism“. Eine richtige Balance sei aber schwer zu finden.

In der Vorsaison Mitte April haben nur wenige Restaurants geöffnet. Wir finden die Gostiona Luna, ein solides und günstiges Gasthaus, das vorallem von Handwerkern frequentiert wird. Die kleine Speisekarte in kroatischer Sprache wird von der resoluten Wirtin mühelos ins Deutsche übersetzt. Nebenbei managt sie noch die wenigen Parkplätze vor dem Gasthaus, das direkt an der Hauptstraße liegt und völlig mit Lieferwägen verparkt ist. Für die Baubrache ist die Vorsaison die Hochsaison.

Der Dresscode der jüngeren Generation der Werktätigen ist die Marke Werkstoff. Limonade und Mobiltelefon finden sich auf allen Tischen. Camouflage und eine halbe Rotwein zum Mittagstisch ist eher das Auslaufmodell von älteren Handwerkern. Rauchen tun sie alle.

Das kulinarische Highlight der Reise erleben wir tags darauf auf Empfehlung von Matija Kaštelan:  Eine gegrillte Goldbrasse im schicken Restaurant Velum, etwas außerhalb der Altstadt von Rab. Der Fisch stammt aus lokalem Fang und wird – wie in Kroatien üblich –  mit Kartoffeln und Mangold serviert. ↓

Eine Wanderung auf den Kamenjak, der höchsten Erhebung der Insel zeigt eine üppig blühende Frühlingslandschaft abseits des touristischen Rummels . Hunderte Kilometer von Steinmauern mit dunkelbrau verwitterter Oberfläche ziehen sich in parallelen Reihen über den gesamten Bergrücken. Große Teile des mehr als 150 Jahre alten Bauwerks sind noch völlig intakt. Nur an eingestürzten Stellen zeigen die alten Kalksteine einen rotbraunen Schimmer an der Oberfläche. Schafe zupfen die wenigen Gräser aus der Kalkststeinwüste, aus der gelbe Büschel von blühendem Wolfsmilch und weiße Lilien ragen. Dazwischen stehen einzelne Oliven- und Wacholderbäume sowie Myrthensträucher. Die Mühen des Aufstiegs belohnt ein grandioser Ausblick auf die umliegenden Inseln und den Velebit, der den gesamten östlichen Horizont in Form eines gewaltigen Bogens begrenzt. 

Auf den Kamenjak befinden sich auch die beiden Bienenstellplätze der Familie Kaštelan namens „Kaljac“ und „Gornji der“. Die Grundstücke auf denen die Bienen stehen, sind alter Familienbesitz. Umgeben mit sorgsam renovierten und mit Beton verstärkten Steinmauern sind es kleine Inseln inmitten eines Meeres von landwirtschaftlichem Brachland. Die starken, festungsähnlichen Mauern, sollen die Bienen vor der Bora, dem starken Fallwind aus dem Velebitgebirge schützen und auch vor den Schafen, erzählt Matija. Denn, so ergänzt er: „Einige Nachbarn halten hier Schafe ohne Ohrmarken. Die büxen ständig aus, fressen was sie erwischen und müssen in der Wildnis oft stundenlang gesucht werden.“

Die höchste Erhebung der Insel Rab bietet auch einen schaurigen Einblick in dunkle Kapitel der Regionalgeschichte: Im Norden von Rab befand sich das Konzentrationslager Kampor, in dem die italienische Faschisten überwiegend Gefangene aus Kroatien und Slowenien sowie Juden inhaftiert hatten. Im Nordosten liegt die Gefängnisinsel Goli Otok, Titos Straflager für stalintreue Kommunisten.  Nur wenige km Luftlinie voneinander entfernt und nur fünf Jahre später entstanden an diesem Ort ähnliche Vernichtungsstrukturen von Menschlichkeit, wenn auch in unterschiedlichen politischen Kontexten: Das KZ Kampor: Faschistische Todesmaschinerie mit tausenden Toten innerhalb von 14 Monaten.

Die Gefangen bewahrten sich dennoch die Würde und gründeten im Geheimen die Osvobodlina fronta (Befreiungsfront). Das System Goli Otok: Wer Mitgefangene selbst prügelte oder denunzierte, stieg in der Lagerhierarchie auf. Wer sich verweigerte war vogelfrei und wurde physisch und psychisch vernichtet. Jede Form von Solidarität wurde so im Keim erstickt.

Auf einem Feld neben dem Gelände des KZs Kampor baut ein Bauer Kartoffel an. Schafe weiden, ein Stapel Schaffelle liegt im Hof. Bienenstöcke stehen neben den Grabkreuzen des Friedhofs.

Unmittelbar hinter der Gedenkstätte befindet sich der Dundo Wald mit seinen Badestränden, die nur über Fußwege oder mit Booten erreichbar sind. Uralte Steineichen und Föhren spenden Schatten. Zu hören ist nur das Plätschern des Wassers an den Felsen und das Rascheln der fliehenden Smaragd-eidechsen. Feuchte Waldluft mischt sich mit dem Geruch von Piniennadeln. Der Wald, einer der schönsten und am besten erhaltenen mediterranen Steineichenwälder ist eines der großen Natur-wunder Kroatiens und verlieh Rab den Ruf als „Grüne Insel“.

Die Bewohner von Rab erinnern lieber an ihre Geschichte als reiche Handelsstadt, die jahrhundertelang im Besitze Venedigs war. Der wichtigste Schifffahrtsweg der Venezianer nach Osten führte am Handelsstützpunkt Rab vorbei. Die Stadt verfügte über eine starke Handelsflotte, war wirtschaftlich und kulturell entwickelt und die Einwohner lebten in Wohlstand. Im Verkaufsraum von Natura Rab hängen Bilder vom Mittelalterfest auf der Insel. Sie zeigen Matija mit einer großen Mütze, verkleidet als mittelterlichen Kaufmann, an seinem Warentisch. Es ist ein großes Touristenspektakel, das die Stadt alljährlich im Sommer für seine Gäste veranstaltet.

Was denn Bienen für ihn bedeuten würden, frage ich Dušan am Ende des Gespräches: Der antwortet kurz und bündig: „Leben! Als ich noch meinen Computerladen hatte, war ich abends nur völlig erschöpft. Jetzt bin ich zwar auch müde aber zufrieden.“

Und ob denn die Insel Rab zum Balkan zähle, frage ich dann noch seinen Sohn Matija. „Ich denke, wir haben hier schon Balkanmentalität“, sagt er. „Die ist vor allem auch bei Imkern zu finden, die Honig von der Insel an Touristen verkaufen, der nicht von hier ist.“ 

Bezugsquelle für Salbeihonig:

Natura Rab, Villa Seka – Apartman
Matija Kaštelan
Barbat 656A, 51280 RAB, Croatia
Dusan: +385 (0)98 281 309
Matija: +385 (0)97 629 4982
www.natura-rab.hr
info@natura-rab.hr

kastelan.matija@gmail.com

REISETIPPS:

Gostiona Luna/Rab
Restaurant Velum/Rab

Eine Wanderung auf den Kamenjak, der höchsten Erhebung der Insel zeigt eine üppig blühende Frühlingslandschaft abseits des touristischen Rummels . Hunderte Kilometer von Steinmauern mit dunkelbrau verwitterter Oberfläche ziehen sich in parallelen Reihen über den gesamten Bergrücken. Große Teile des mehr als 150 Jahre alten Bauwerks sind noch völlig intakt. Nur an eingestürzten Stellen zeigen die alten Kalksteine einen rotbraunen Schimmer an der Oberfläche. Schafe zupfen die wenigen Gräser aus der Kalkststeinwüste, aus der gelbe Büschel von blühendem Wolfsmilch und weiße Lilien ragen. Dazwischen stehen einzelne Oliven- und Wacholderbäume sowie Myrthensträucher. Die Mühen des Aufstiegs belohnt ein grandioser Ausblick auf die umliegenden Inseln und den Velebit, der den gesamten östlichen Horizont in Form eines gewaltigen Bogens begrenzt. 

Auf den Kamenjak befinden sich auch die beiden Bienenstellplätze der Familie Kaštelan namens „Kaljac“ und „Gornji der“. Die Grundstücke auf denen die Bienen stehen, sind alter Familienbesitz. Umgeben mit sorgsam renovierten und mit Beton verstärkten Steinmauern sind es kleine Inseln inmitten eines Meeres von landwirtschaftlichem Brachland. Die starken, festungsähnlichen Mauern, sollen die Bienen vor der Bora, dem starken Fallwind aus dem Velebitgebirge schützen und auch vor den Schafen, erzählt Matija. Denn, so ergänzt er: „Einige Nachbarn halten hier Schafe ohne Ohrmarken. Die büxen ständig aus, fressen was sie erwischen und müssen in der Wildnis oft stundenlang gesucht werden.“

Die höchste Erhebung der Insel Rab bietet auch einen schaurigen Einblick in dunkle Kapitel der regionalen Geschichte: Im Norden von Rab befand sich das Konzentrationslager Kampor, in dem die italienische Faschisten überwiegend Gefangene aus Kroatien und Slowenien sowie Juden inhaftiert hatten. Im Nordosten liegt die Gefängnisinsel Goli Otok, Titos Straflager für stalintreue Kommunisten.  Nur wenige km Luftlinie voneinander entfernt und nur fünf Jahre später entstanden an diesem Ort ähnliche Vernichtungsstrukturen von Menschlichkeit, wenn auch in unterschiedlichen politischen Kontexten – das KZ Kampor: FaschistischeTodesmaschine mit tausenden Toten innerhalb von 14 Monaten.

Die Gefangenen bewahrten sich dennoch die Würde und gründeten im Geheimen die Osvobodlina fronta (Befreiungsfront). Das System Goli Otok: Wer Mitgefangene selbst prügelte oder denunzierte, stieg in der Lagerhierarchie auf. Wer sich verweigerte war vogelfrei und wurde physisch und psychisch vernichtet. Jede Form von Solidarität wurde so im Keim erstickt.

Auf einem Feld neben dem Gelände des KZs Kampor baut ein Bauer Kartoffel an. Schafe weiden, ein Stapel Schaffelle liegt im Hof. Bienenstöcke stehen neben den Grabkreuzen des Friedhofs.

Unmittelbar hinter der Gedenkstätte befindet sich der Dundo Wald mit seinen Badestränden, die nur über Fußwege oder mit Booten erreichbar sind. Uralte Steineichen und Föhren spenden Schatten. Zu hören ist nur das Plätschern des Wassers an den Felsen und das Rascheln der fliehenden Smaragd-eidechsen. Feuchte Waldluft mischt sich mit dem Geruch von Piniennadeln. Der Wald, einer der schönsten und am besten erhaltenen mediterranen Steineichenwälder ist eines der großen Naturwunder Kroatiens und verlieh Rab den Ruf als „Grüne Insel“.

Die Bewohner von Rab erinnern lieber an ihre Geschichte als reiche Handelsstadt, die viele Jahrhunderte lang im Besitze Venedigs war. Der wichtigste Schifffahrtsweg der Venezianer nach Osten führte am Handelsstützpunkt Rab vorbei. Die Stadt verfügte über eine starke Handelsflotte, war wirtschaftlich und kulturell entwickelt und die Einwohner lebten in Wohlstand. Im Verkaufsraum von Natura Rab hängen Bilder vom Mittelalterfest auf der Insel. Sie zeigen Matija mit einer großen Mütze, verkleidet als mittelterlichen Kaufmann, an seinem Warentisch. Es ist ein großes Touristenspektakel, das die Stadt alljährlich im Sommer für seine Gäste veranstaltet.

Was denn Bienen für ihn bedeuten würden, frage ich Dušan am Ende des Gespräches: Der antwortet kurz und bündig: „Leben! Als ich noch meinen Computerladen hatte, war ich abends nur völlig erschöpft. Jetzt bin ich zwar auch müde aber zufrieden.“

Und ob denn die Insel Rab zum Balkan zähle, frage ich dann noch seinen Sohn Matija. „Ich denke, wir haben hier schon Balkanmentalität“, sagt er. „Die ist vor allem auch bei Imkern zu finden, die Honig von der Insel an Touristen verkaufen, der nicht von hier ist.“ 

Bezugsquelle für Salbeihonig:

Natura Rab, Villa Seka – Apartman
Matija Kaštelan
Barbat 656A, 51280 RAB, Croatia
Dusan: +385 (0)98 281 309
Matija: +385 (0)97 629 4982
www.natura-rab.hr
info@natura-rab.hr

kastelan.matija@gmail.com

REISETIPPS:

Gostiona Luna/Rab
Restaurant Velum/Rab