MontenegroMeerschaum und Schneestaub

MontenegroMeerschaum und Schneestaub

Der Weg vom Flughafen führt über eine Panoramastraße direkt zu einer der wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Montenegro, dem Felsenkloster Ostrog. Zwei schwarzgekleidete bärtige Popen bewachen in einer Grotte des Klosters die Reliquien des heiligen Basilius. Gläubige stehen vor dem Eingang Schlange, beugen den Kopf um durch die niedere Tür einzeln in die Grotte zu treten und küssen den Popen die Hände. Ungläubige erhalten einen leichten Schlag auf den Kopf. Aus einem  von Kerzen erhellen Nebenraum dringt der Geruch von verbranntem Wachs. Familien mit Klein-kindern posieren für ein Foto vor bunten Mosaikbildern, Gläubige küssen in den Boden ein-geschlossene Kreuze. Der spektakuläre Ausblick von der Terrasse des Klosters fällt auf Dobro Polje, die in sattem Grün liegende Ebene mit ihren kleinen rostbraunen Gemüsefeldern. Über einen Schleichweg erreichen wir die Konoba Svera in Tunjevo. Das Fischrestaurant liegt an einem Karstfluss und ist nur über eine kleine Brücke zu erreichen. An zwei Seiten fließt klares türkisfarbenes Wasser.  Weiden mit zarten Frühlingstrieben stehen am Ufer. Am Wegrand blühen Wolfsmilch und Weißer Affodill.  Aus dem ehemaligen Mühlengebäude dringt laute Musik von einem Alleinunterhalter, der auch großartig singt. Die Gäste im Lokal tanzen. “This is Balkan”, meint die Kellnerin auf unser Staunen. Fisch in fünf Varianten steht auf der Speisekarte. Erst die vom Wasser aufsteigende Kälte vertreibt uns von diesem magischen Ort.

Meerschaum und Schneestaub“, so beschrieb der Politiker und Schriftsteller Veljko Vlahović sein geliebtes Montenegro. Das kleine Land mit der Ausdehnung und Einwohnerzahl Tirols ist auf einer politischen Europakarte im üblichen Maßstab nicht so einfach zu entdecken. Kulturgeschichtlich vereint Montenegro eine Vielfalt an historischen Regionen, wie sie nur wenige Länder in Europa zu bieten haben. Da wäre zunächst  das Fürstentum Montenegro rund  um die ehemalige Hauptstadt Cetinje, das seine Unabhängigkeit im Jahre 1878 auf dem Berliner Kongreß erlangt hatte. Bis 1913 gelang es Montenegro dem geschwächten Osmanischen Staat weitere Gebiete im zu entreißen und seine Staatsfläche zu verdoppeln. Der schmale Küstenstreifen um die Bucht von Kontor war über Jahrhunderte venezianisch geprägt und später noch einmal gut hundert Jahre Teil des österreichischen Dalmatiens. Zu Montenegro zählt dieses Gebiet erst seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. 1918 wurde Montenegro mit Serbien vereinigt und war Teil des Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen. 2006 erlangte das Land nach einer Volksabstimmung seine Unabhängigkeit von der Bundesrepublik Jugoslawien.

Mit „Meerschaum und Schneestaub“ könnte man auch die Honige von Željko Mitrić kennzeichnen. Der Wanderimker lebt in der Gemeinde Plužine, in unmittelbarer Nähe des Klosters Piva und des gleichnamigen Stausees. Seine etwa 100 Bienenstöcke stehen auf zwei  LKW Containern.  Den Winter verbringen die Bienen an der montenegrinischen Küste in der Nähe des Ortes Radovići auf der Halbinsel Tivat. Etwa Mitte Mai reisen sie ins Durmitorgebirge zu Standorten auf etwa 1.000 m Seehöhe. Mitte September geht die Reise dann wieder zurück an die Küste. In Željkos Honigen spiegelt sich die Vielfalt der Bienenflora Montenegros. Der Primorski med, der Frühlingshonig von der Küste zeigt weiche Mandelaromen und eine hohe Komplexität. Der Kontrast zu den beiden Honigen aus dem Gebirge könnte nicht größer sein. Der Blütenhonig (livadski med)  ist ein Feuerwerk an floralen Aromen.  Der Heidehonig (vrijesak med) hat im Geruch und Geschmack die typischen Aromen von Leder, Balsam und Terpentin.  Mit einer sensorischen Überraschung  endet dann die Honigverkostung im  Wohnzimmer des Imkers:  Der erst spät im Oktober an der Küste geerntete beigefarbene Erdbeerbaumhonig (planika med) ist fein auskristallisiert. Der sehr charakteristische, phenolische Geruch nach Kaffeesud macht den Honig leicht erkennbar. Am Gaumen verstärkt sich der Geruchseindruck. Ein markanter, lang anhaltender Bitterton sowie eine frische Säure verdecken die Süße des Honigs, der leicht adstringierend und sehr lange im Abgang ist. 

Die Imkerei ist meine Leidenschaft und der Honig ist die Krönung und Belohnung meiner Leidenschaft“, sagt der etwa 50jährige Imker stolz. Željkos Familiengschichte beginnt mit der Vertreibung der Osmanen. Seit Ende des 18. Jahrhundert lebt seine Familie hier in den Bergen, in einer der ärmsten Regionen Montenegros. Seine Frau Luzia stammt aus dem Nachbardorf. Schon Željkos Großvater hatte Bienen, die damals in ausgehöhlten Baumstämmen (dubovina)  gehalten wurden. Die etwa 1,5 Tonnen Honig, die er im Durchschnitt pro Jahr erntet, verkauft er um 15 Euro pro kg an Touristen. Die unmittelbare Nachbarschaft zum Kloster Piva, einem der wichtigsten orthodoxen Klöster des Landes ist dabei von großem Vorteil. Die Familie vermietet Fremdenzimmer und Željko bietet auch Bootsfahrten auf dem nahegelegenen Stausee an. Nebenbei arbeitet der Imker in einem Wasserkraftwerk an der Grenze zu Bosnien. 

Eines der größten Probleme der Region ist die Landflucht“, erzählt der Imker.

Vor 20 Jahren zählte die Gemeinde noch 15.000 Einwohner heute sind es gerade noch 4.000. Die große Hoffnung liegt im nachhaltigen Tourismus“. 

Anderntags steht ein Ausflug ins Durmitor Hochgebirge auf dem Programm. Die Regionalstraße 16 der wir folgen, wird im Reiseführer als „eine der spektakulärsten Bergstraßen des Balkans“  beschrieben. Wie sich bald herausstellen wird, trägt sie diese Bezeichnung nicht zu unrecht. Unweit der Berghütte Milogora endet unsere Reise in einer Schneewechte.  Ein Weiterkommen ist hier Anfang April  nicht mehr möglich. Zwei Gäste sitzen im verrauchten Hinterzimmer und trinken. Der Wirt stammt aus Mostar. Die Kriegswirren hatten ihn in viele Länder Europas verschlagen. Hier im Gebirge hatte er seine Bleibe gefunden. Er züchtet Pferde und bietet Reittherapie an. Die Fotos an den Wänden lassen traumhafte Sommerlandschaften vermuten.  Auf dem Weg zurück nach Plužine hängen riesige Eiszapfen vom unbeleuchteten, grob in den Felsen gesprengten Tunnel. Eine Überraschung folgt beim Abendessen  im Restaurant Zvono in Plušine. Großartige Küche, cooles Jazzclub-Ambiente mit guter Musik. Die Zimmer mit verglaster Außenfront geben den Blick auf den Piva Stausee frei und lassen die für die Jahreszeit ungewöhnliche Kälte allmählich vergessen.

Tags darauf die Fahrt an die Küste. Kleine fruchtbare Täler wechseln mit Kalkfelsen, die dürftig mit Karstgebüsch bedeckt sind. Im Hintergrund schneebedeckte Gipfel. Ab und zu Siedlungen, kaum Städte, keine Vororte von Städten. In einer Autostunde durchquert man das Land vom gebirgigen Norden mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt bis zur Küste. Man gewinnt den Eindruck als wechsle jemand ständig die Landschaftskulisse um die wenigen Reisenden, die zu diesem Jahreszeit auf leeren Straßen unterwegs sind nur ja nicht zu langweilen. Mit der sich nähernden Küste werden die Grüntöne häufiger und satter. Nur vereinzelt drängen sich noch Geröllhalden ins Bild. Das Farbspektrum wird größer. Zu bereits bekannten Weiß- und Gelbtönen gesellen sich lila Farbspritzer vom Silberblatt und die orangen Triebspitzen der Granatäpfel. Ein letzter finsterer Tunnel steigert die Dramatik: Ankunft in der Bucht von Kotor. Die Temperatur steigt weit in den zweistelligen Bereich. 

Die aufdringliche Natur des Frühlings steht in scharfem Kontrast zur Künstlichkeit der russischen Barbesucherin am Nebentisch des Café Tramontana. 

Die morgendliche Kälte verlässt die Glieder und die Wahrnehmung für die Reize des Frühlings taut auf. Die Bergschuhe werden lästig. Noch etwas hatte sich verändert: Die Preise in den Restaurants hatten sich verdoppelt. Die Touristenabgabe erreicht ihren Höhepunkt im idyllischen Städtchen Perast, wo die Konoba Otok Bronza immerhin € 6.- für ein Glas roten Hauswein verlangt. Ehrlicherweise hatte uns der Kellner noch vorgewarnt: “Ich kann ihn nicht empfehlen!” Bereits nach dem ersten Schluck war klar warum. 

Der Weg vom Flughafen führt über eine Panoramastraße direkt zu einer der wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Montenegro, dem Felsenkloster Ostrog. Zwei schwarzgekleidete bärtige Popen bewachen in einer Grotte des Klosters die Reliquien des heiligen Basilius. Gläubige stehen vor dem Eingang Schlange, beugen den Kopf um durch die niedere Tür einzeln in die Grotte zu treten und küssen den Popen die Hände. Ungläubige erhalten einen leichten Schlag auf den Kopf. Aus einem  von Kerzen erhellen Nebenraum dringt der Geruch von verbranntem Wachs. Familien mit Klein-kindern posieren für ein Foto vor bunten Mosaikbildern, Gläubige küssen in den Boden ein-geschlossene Kreuze. Der spektakuläre Ausblick von der Terrasse des Klosters fällt auf Dobro Polje, die in sattem Grün liegende Ebene mit ihren kleinen rostbraunen Gemüsefeldern. Über einen Schleichweg erreichen wir die Konoba Svera in Tunjevo. Das Fischrestaurant liegt an einem Karstfluss und ist nur über eine kleine Brücke zu erreichen. An zwei Seiten fließt klares türkisfarbenes Wasser.  Weiden mit zarten Frühlingstrieben stehen am Ufer. Am Wegrand blühen Wolfsmilch und Weißer Affodill.  Aus dem ehemaligen Mühlengebäude dringt laute Musik von einem Alleinunterhalter, der auch großartig singt. Die Gäste im Lokal tanzen. “This is Balkan”, meint die Kellnerin auf unser Staunen. Fisch in fünf Varianten steht auf der Speisekarte. Erst die vom Wasser aufsteigende Kälte vertreibt uns von diesem magischen Ort.

Meerschaum und Schneestaub“, so beschrieb der Politiker und Schriftsteller Veljko Vlahović sein geliebtes Montenegro. Das kleine Land mit der Ausdehnung und Einwohnerzahl Tirols ist auf einer politischen Europakarte im üblichen Maßstab nicht so einfach zu entdecken. Kulturgeschichtlich vereint Montenegro eine Vielfalt an historischen Regionen, wie sie nur wenige Länder in Europa zu bieten haben. Da wäre zunächst  das Fürstentum Montenegro rund  um die ehemalige Hauptstadt Cetinje, das seine Unabhängigkeit im Jahre 1878 auf dem Berliner Kongreß erlangt hatte. Bis 1913 gelang es Montenegro dem geschwächten Osmanischen Staat weitere Gebiete im zu entreißen und seine Staatsfläche zu verdoppeln. Der schmale Küstenstreifen um die Bucht von Kontor war über Jahrhunderte venezianisch geprägt und später noch einmal gut hundert Jahre Teil des österreichischen Dalmatiens. Zu Montenegro zählt dieses Gebiet erst seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. 1918 wurde Montenegro mit Serbien vereinigt und war Teil des Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen. 2006 erlangte das Land nach einer Volksabstimmung seine Unabhängigkeit von der Bundesrepublik Jugoslawien.

Mit „Meerschaum und Schneestaub“ könnte man auch die Honige von Željko Mitrić kennzeichnen. Der Wanderimker lebt in der Gemeinde Plužine, in unmittelbarer Nähe des Klosters Piva und des gleichnamigen Stausees. Seine etwa 100 Bienenstöcke stehen auf zwei  LKW Containern.  Den Winter verbringen die Bienen an der montenegrinischen Küste in der Nähe des Ortes Radovići auf der Halbinsel Tivat. Etwa Mitte Mai reisen sie ins Durmitorgebirge zu Standorten auf etwa 1.000 m Seehöhe. Mitte September geht die Reise dann wieder zurück an die Küste. In Željkos Honigen spiegelt sich die Vielfalt der Bienenflora Montenegros. Der Primorski med, der Frühlingshonig von der Küste zeigt weiche Mandelaromen und eine hohe Komplexität. Der Kontrast zu den beiden Honigen aus dem Gebirge könnte nicht größer sein. Der Blütenhonig (livadski med)  ist ein Feuerwerk an floralen Aromen.  Der Heidehonig (vrijesak med) hat im Geruch und Geschmack die typischen Aromen von Leder, Balsam und Terpentin.  Mit einer sensorischen Überraschung  endet dann die Honigverkostung im  Wohnzimmer des Imkers:  Der erst spät im Oktober an der Küste geerntete beigefarbene Erdbeerbaumhonig (planika med) ist fein auskristallisiert. Der sehr charakteristische, phenolische Geruch nach Kaffeesud macht den Honig leicht erkennbar. Am Gaumen verstärkt sich der Geruchseindruck. Ein markanter, lang anhaltender Bitterton sowie eine frische Säure verdecken die Süße des Honigs, der leicht adstringierend und sehr lange im Abgang ist. 

Die Imkerei ist meine Leidenschaft und der Honig ist die Krönung und Belohnung meiner Leidenschaft“, sagt der etwa 50jährige Imker stolz. Željkos Familiengschichte beginnt mit der Vertreibung der Osmanen. Seit Ende des 18. Jahrhundert lebt seine Familie hier in den Bergen, in einer der ärmsten Regionen Montenegros. Seine Frau Luzia stammt aus dem Nachbardorf. Schon Željkos Großvater hatte Bienen, die damals in ausgehöhlten Baumstämmen (dubovina)  gehalten wurden. Die etwa 1,5 Tonnen Honig, die er im Durchschnitt pro Jahr erntet, verkauft er um 15 Euro pro kg an Touristen. Die unmittelbare Nachbarschaft zum Kloster Piva, einem der wichtigsten orthodoxen Klöster des Landes ist dabei von großem Vorteil. Die Familie vermietet Fremdenzimmer und Željko bietet auch Bootsfahrten auf dem nahegelegenen Stausee an. Nebenbei arbeitet der Imker in einem Wasserkraftwerk an der Grenze zu Bosnien. 

Eines der größten Probleme der Region ist die Landflucht“, erzählt der Imker.

Vor 20 Jahren zählte die Gemeinde noch 15.000 Einwohner heute sind es gerade noch 4.000. Die große Hoffnung liegt im nachhaltigen Tourismus“. 

Anderntags steht ein Ausflug ins Durmitor Hochgebirge auf dem Programm. Die Regionalstraße 16 der wir folgen, wird im Reiseführer als „eine der spektakulärsten Bergstraßen des Balkans“  beschrieben. Wie sich bald herausstellen wird, trägt sie diese Bezeichnung nicht zu unrecht. Unweit der Berghütte Milogora endet unsere Reise in einer Schneewechte.  Ein Weiterkommen ist hier Anfang April  nicht mehr möglich. Zwei Gäste sitzen im verrauchten Hinterzimmer und trinken. Der Wirt stammt aus Mostar. Die Kriegswirren hatten ihn in viele Länder Europas verschlagen. Hier im Gebirge hatte er seine Bleibe gefunden. Er züchtet Pferde und bietet Reittherapie an. Die Fotos an den Wänden lassen traumhafte Sommerlandschaften vermuten.  Auf dem Weg zurück nach Plužine hängen riesige Eiszapfen vom unbeleuchteten, grob in den Felsen gesprengten Tunnel. Eine Überraschung folgt beim Abendessen  im Restaurant Zvono in Plušine. Großartige Küche, cooles Jazzclub-Ambiente mit guter Musik. Die Zimmer mit verglaster Außenfront geben den Blick auf den Piva Stausee frei und lassen die für die Jahreszeit ungewöhnliche Kälte allmählich vergessen.

Tags darauf die Fahrt an die Küste. Kleine fruchtbare Täler wechseln mit Kalkfelsen, die dürftig mit Karstgebüsch bedeckt sind. Im Hintergrund schneebedeckte Gipfel. Ab und zu Siedlungen, kaum Städte, keine Vororte von Städten. In einer Autostunde durchquert man das Land vom gebirgigen Norden mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt bis zur Küste. Man gewinnt den Eindruck als wechsle jemand ständig die Landschaftskulisse um die wenigen Reisenden, die zu diesem Jahreszeit auf leeren Straßen unterwegs sind nur ja nicht zu langweilen. Mit der sich nähernden Küste werden die Grüntöne häufiger und satter. Nur vereinzelt drängen sich noch Geröllhalden ins Bild. Das Farbspektrum wird größer. Zu bereits bekannten Weiß- und Gelbtönen gesellen sich lila Farbspritzer vom Silberblatt und die orangen Triebspitzen der Granatäpfel. Ein letzter finsterer Tunnel steigert die Dramatik: Ankunft in der Bucht von Kotor. Die Temperatur steigt weit in den zweistelligen Bereich. 

Die aufdringliche Natur des Frühlings steht in scharfem Kontrast zur Künstlichkeit der russischen Barbesucherin am Nebentisch des Café Tramontana. 

Die morgendliche Kälte verlässt die Glieder und die Wahrnehmung für die Reize des Frühlings taut auf. Die Bergschuhe werden lästig. Noch etwas hatte sich verändert: Die Preise in den Restaurants hatten sich verdoppelt. Die Touristenabgabe erreicht ihren Höhepunkt im idyllischen Städtchen Perast, wo die Konoba Otok Bronza immerhin € 6.- für ein Glas roten Hauswein verlangt. Ehrlicherweise hatte uns der Kellner noch vorgewarnt: “Ich kann ihn nicht empfehlen!” Bereits nach dem ersten Schluck war klar warum. 

Die jahrhundertelange osmanische Herrschaft hat auch in der Küche Montenegros tiefe Spuren hinterlassen. Der sač ist ein traditionelles Kochgeschirr aus Gußeisen, das heute noch in weiten Teilen des Balkans und der Türkei verwendet wird. Er besteht aus einer gewölbten Pfanne und einem Deckel.  Die Größe liegt zwischen 20 und 50 cm im Durchmesser. Der Deckel ist speziell geformt, so dass man heiße Glut darauf verteilen kann, wodurch zusätzlich Oberhitze entsteht. Die Gerichte  werden auf offenem Feuer zubereitet. Auch die auf diese Weise zubereiteten Eintopfgerichte werden als sač bezeichnet.

Svetozar Batrićević ist ein Meister des sač, den er auf seine Weise mit Fleisch von Lamm und Huhn zubereitet. 

Auf dem Speiseplan der Batrićevićs stehen außerdem noch die montenegrinischen Spezialitäten: piganice, kačamak und cicvara. Gemeinsam mit seiner Frau Milena bewirtet er Gäste auf einem abgelegenen Bienenbauernhof, der nur über eine schmale Schotterstraße erreichbar ist. 

Der Platz hat keine Adresse, ich sende Ihnen aber die Koordinaten“ hatte er im Mail geschrieben. Der Hof liegt auf einem Hochplateau nahe der Stadt Nikšić auf 900 m Seeehöhe in einer geschützten Geländemulde, die sich nur nach Süden öffnet. Im Haus nebenan lebt sein Bruder und züchtet Ziegen. Das gesamte Gelände ist terrassiert und von Steinmauern umgeben. Der Ort wirkt wie eine grüne Oase im grauen Karstgestein.

Auch hier beginnt die Geschichte mit der Vertreibung der Osmanen. Die Familie Batrićević stammt aus Alt-Montenegro. Svetozars Ururgroßvater zog 1859 hierher und baute das alte Steinhaus, das aus zwei Räumen besteht. Der größere Raum diente als offene Rauchküche in der Tag und Nacht das Feuer brannte. Die Nordseite des Hauses besteht aus unbehauenem Fels. Svetozar zeigt uns einen kleinen Schemel, das typische Möbelstück auf dem die Bewohner um das Feuer saßen. Das kleinere Zimmer wurde als Schlafraum genützt. Svetorzars Großvater baute nebenan ein neues Haus, das bereits wesentlich moderner anmutet aber ebenfalls aus Stein errichtet wurde. Er hatte mehrere kleine Landwirtschaften gekauft und war für seine Zeit bereits ein großer Landwirt. Der Großvater startete auch die Familienimkerei mit traditionellen Bienenbehausungen und erreichte ein biblisches Alter von 110 Jahren. Auch Svetozar ist mittlerweile bereits pensioniert. Er war Betriebselektriker und führte nebenbei noch einen Laden in Nikšić. Das ganze Geld, das er mit seiner Arbeit verdiente steckte er in dieses Stück Land.

Nach einer Stunde Garzeit unterbricht Svetozar das Gespräch und hebt den Deckel vom sač. Es ist Zeit, das Gemüse dazuzugeben. 

Der normale Tagesablauf der Familie Batrićević ist ungewöhnlich für Landwirte: Morgens in der Stadt Kaffee trinken und Freunde treffen, nachmittags auf den Bauernhof fahren und arbeiten bis spät abends. Dann wieder zurück in die Stadt. Niemals hier schlafen.  

Die Bienen hält Svetozar aus einem pragmatischem Grund: Er kann sie hier alleine lassen. Sie kommen auch ohne ihn zurecht und er will seinen Tieren keinen Stress verursachen. Im Sommer kommen viele Besucher und es wird häufig gekocht. Im Winter ist es ruhiger. „Je älter ich werde desto mehr zieht mich dieser Ort an. Ich liebe auch das Klima hier: Im Sommer mediterran, im Winter Gebirgsklima mit warmer Luft vom Meer und viel Regen“, erklärt er. „Das ist sehr wichtig, da es hier nur Regenwasser gibt.“ Er zeigt uns mehrere alte Wasserzisternen, die über das Gelände verteilt sind. Und noch eine Besonderheit gibt es Svetozars Tagesverlauf:  Wenn ich Dreiviertel der Arbeit gemacht habe, fange ich an zu trinken, wenn ich fertig bin, setze ich mich hin und trinke den Rest“, erklärt er schmunzelnd.

Svetozars Sohn Luca hat sich für sechs Monate als Koch auf einem Containerschiff verpflichtet. Sein zweiter Sohn Milos lebt in Kanada. Er war einem  Bruder seines Großvaters gefolgt, der unter Tito das Land verließ. Sein Urteil über den Marschall von Jugoslawien fällt nüchtern aus: „Erst hat Tito den Bauernstand kaputt gemacht und die Leute in die Fabriken getrieben. Dann wurden die Fabriken kaputt gemacht. Die Familie war gegen die Kommunisten, keiner war in der Partei“, erzählt er. Als Tito die Landwirtschaft kollektivierte, war seine Familie jedoch nicht direkt betroffen. Der felsige Boden hier war für die industrielle Landwirtschaft wertlos und die Bienenzucht unterlag generell keiner Beschränkung.  

Nach zwei Stunden Garzeit ist der sač fertig. Das opulente Mahl wird begleitet von großen Mengen an selbstgebranntem Raki und hausgemachtem Rotwein. Nach dem Essen zeigt uns Svetozar noch das Allerheiligste: Den Keller, den Ort wo er fünf Sorten Raki brennt und Rotwein herstellt. Hier schleudert er auch den Honig und macht Apfelwein von Wildäpfeln sowie Preiselbeersaft. Im Raum nebenan findet sich Milenas Vorratskammer mit langen Regalen voll buntem Einleggemüse für den Verkauf.

Svetozars Pläne für die Zukunft: Er hätte gerne, dass sein Sohn Milos aus Kanada zurückkommt. Und wenn das Geld reicht, möchte er irgendwann die beiden Steinhäuser in ein Museum umbauen. Denn, so ist er überzeugt, „Future is on the countryside“.

Bezugsquelle für Erdbeerbaum- und Heidehonig:

Željko Mitrić/Plužine

mitriczeljko4@gmail.com
Tel: +382/69689269 engl.
Tel: +382/67641950

Reisetipps:

Svetozar und Milena Batrićević/Nikšić
svetozarbatricevic63@gmail.com
Tel +38269047120  
Tel +38268400105

Propaganda Bar/Nikšić
Konoba Svera/Tunjevo
Eko Selo Milogora/Durmitor
Gostionica Zvono/Plužine
Holiday Home

Die jahrhundertelange osmanische Herrschaft hat auch in der Küche Montenegros tiefe Spuren hinterlassen. Der sač ist ein traditionelles Kochgeschirr aus Gußeisen, das heute noch in weiten Teilen des Balkans und der Türkei verwendet wird. Er besteht aus einer gewölbten Pfanne und einem Deckel.  Die Größe liegt zwischen 20 und 50 cm im Durchmesser. Der Deckel ist speziell geformt, so dass man heiße Glut darauf verteilen kann, wodurch zusätzlich Oberhitze entsteht. Die Gerichte  werden auf offenem Feuer zubereitet. Auch die auf diese Weise zubereiteten Eintopfgerichte werden als sač bezeichnet.

Svetozar Batrićević ist ein Meister des sač, den er auf seine Weise mit Fleisch von Lamm und Huhn zubereitet. 

Auf dem Speiseplan der Batrićevićs stehen außerdem noch die montenegrinischen Spezialitäten: piganice, kačamak und cicvara. Gemeinsam mit seiner Frau Milena bewirtet er Gäste auf einem abgelegenen Bienenbauernhof, der nur über eine schmale Schotterstraße erreichbar ist. 

Der Platz hat keine Adresse, ich sende Ihnen aber die Koordinaten“ hatte er im Mail geschrieben. Der Hof liegt auf einem Hochplateau nahe der Stadt Nikšić auf 900 m Seeehöhe in einer geschützten Geländemulde, die sich nur nach Süden öffnet. Im Haus nebenan lebt sein Bruder und züchtet Ziegen. Das gesamte Gelände ist terrassiert und von Steinmauern umgeben. Der Ort wirkt wie eine grüne Oase im grauen Karstgestein.

Auch hier beginnt die Geschichte mit der Vertreibung der Osmanen. Die Familie Batrićević stammt aus Alt-Montenegro. Svetozars Ururgroßvater zog 1859 hierher und baute das alte Steinhaus, das aus zwei Räumen besteht. Der größere Raum diente als offene Rauchküche in der Tag und Nacht das Feuer brannte. Die Nordseite des Hauses besteht aus unbehauenem Fels. Svetozar zeigt uns einen kleinen Schemel, das typische Möbelstück auf dem die Bewohner um das Feuer saßen. Das kleinere Zimmer wurde als Schlafraum genützt. Svetorzars Großvater baute nebenan ein neues Haus, das bereits wesentlich moderner anmutet aber ebenfalls aus Stein errichtet wurde. Er hatte mehrere kleine Landwirtschaften gekauft und war für seine Zeit bereits ein großer Landwirt. Der Großvater startete auch die Familienimkerei mit traditionellen Bienenbehausungen und erreichte ein biblisches Alter von 110 Jahren. Auch Svetozar ist mittlerweile bereits pensioniert. Er war Betriebselektriker und führte nebenbei noch einen Laden in Nikšić. Das ganze Geld, das er mit seiner Arbeit verdiente steckte er in dieses Stück Land.

Nach einer Stunde Garzeit unterbricht Svetozar das Gespräch und hebt den Deckel vom sač. Es ist Zeit, das Gemüse dazuzugeben. 

Der normale Tagesablauf der Familie Batrićević ist ungewöhnlich für Landwirte: Morgens in der Stadt Kaffee trinken und Freunde treffen, nachmittags auf den Bauernhof fahren und arbeiten bis spät abends. Dann wieder zurück in die Stadt. Niemals hier schlafen.  

Die Bienen hält Svetozar aus einem pragmatischem Grund: Er kann sie hier alleine lassen. Sie kommen auch ohne ihn zurecht und er will seinen Tieren keinen Stress verursachen. Im Sommer kommen viele Besucher und es wird häufig gekocht. Im Winter ist es ruhiger. „Je älter ich werde desto mehr zieht mich dieser Ort an. Ich liebe auch das Klima hier: Im Sommer mediterran, im Winter Gebirgsklima mit warmer Luft vom Meer und viel Regen“, erklärt er. „Das ist sehr wichtig, da es hier nur Regenwasser gibt.“ Er zeigt uns mehrere alte Wasserzisternen, die über das Gelände verteilt sind. Und noch eine Besonderheit gibt es Svetozars Tagesverlauf:  Wenn ich Dreiviertel der Arbeit gemacht habe, fange ich an zu trinken, wenn ich fertig bin, setze ich mich hin und trinke den Rest“, erklärt er schmunzelnd.

Svetozars Sohn Luca hat sich für sechs Monate als Koch auf einem Containerschiff verpflichtet. Sein zweiter Sohn Milos lebt in Kanada. Er war einem  Bruder seines Großvaters gefolgt, der unter Tito das Land verließ. Sein Urteil über den Marschall von Jugoslawien fällt nüchtern aus: „Erst hat Tito den Bauernstand kaputt gemacht und die Leute in die Fabriken getrieben. Dann wurden die Fabriken kaputt gemacht. Die Familie war gegen die Kommunisten, keiner war in der Partei“, erzählt er. Als Tito die Landwirtschaft kollektivierte, war seine Familie jedoch nicht direkt betroffen. Der felsige Boden hier war für die industrielle Landwirtschaft wertlos und die Bienenzucht unterlag generell keiner Beschränkung.  

Nach zwei Stunden Garzeit ist der sač fertig. Das opulente Mahl wird begleitet von großen Mengen an selbstgebranntem Raki und hausgemachtem Rotwein. Nach dem Essen zeigt uns Svetozar noch das Allerheiligste: Den Keller, den Ort wo er fünf Sorten Raki brennt und Rotwein herstellt. Hier schleudert er auch den Honig und macht Apfelwein von Wildäpfeln sowie Preiselbeersaft. Im Raum nebenan findet sich Milenas Vorratskammer mit langen Regalen voll buntem Einleggemüse für den Verkauf.

Svetozars Pläne für die Zukunft: Er hätte gerne, dass sein Sohn Milos aus Kanada zurückkommt. Und wenn das Geld reicht, möchte er irgendwann die beiden Steinhäuser in ein Museum umbauen. Denn, so ist er überzeugt, „Future is on the countryside“.

Bezugsquelle für Erdbeerbaum- und Heidehonig:

Željko Mitrić/Plužine

mitriczeljko4@gmail.com
Tel: +382/69689269 engl.
Tel: +382/67641950

Reisetipps:

Svetozar und Milena Batrićević/Nikšić
svetozarbatricevic63@gmail.com
Tel +38269047120  
Tel +38268400105

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